Stand: 13.02.2015 17:05 Uhr

Trecker-Unfall in Axstedt: Züge fahren wieder

Knapp eine Woche nach der tödlichen Kollision eines Traktors mit einem Güterzug an einem Bahnübergang in Axstedt (Landkreis Osterholz) läuft der Bahnverkehr wieder ohne Einschränkung. Das teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Freitag auf Nachfrage von NDR.de mit. Wegen der Reparaturarbeiten an der Unglücksstelle war die Regionalexpress-Verbindung seit Sonnabend ausgefallen, für den Ersatzverkehr hatte die Bahn Busse auf der Strecke eingesetzt. Die Arbeiten haben sich nach Angaben der Bahn so lange hingezogen, weil bei dem Unfall die Gleise stark beschädigt worden waren. Am frühen Sonnabendmorgen war ein 45-jähriger Trecker-Fahrer ums Leben gekommen, nachdem ein Güterzug sein auf den Gleisen liegen gebliebenes Fahrzeug erfasst hatte. Der Mann hatte nach Angaben der Polizei minutenlang versucht, seine Maschine von den Gleisen zu bewegen. Warum er nicht ausstieg, ist unklar.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Am Sonnabend hatte die Staatsanwaltschaft Verden ihre Ermittlungen aufgenommen. Nach Angaben der Behörde lagen zunächst aber keine Anhaltspunkte für ein schuldhaftes Verhalten des Lokführers oder einen technischen Defekt der Schranke vor. Erste Untersuchungsergebnisse wurden noch nicht veröffentlicht. Die Polizei hatte das verunglückte Gülle-Gespann noch am Wochenende sichergestellt. Ungeklärt werden wohl die Fragen bleiben, warum der 45-Jährige nicht die Gleise verließ und warum niemand den Notruf rief - die Polizei kann einen Zug in solchen Fällen stoppen.

Anwohner warnen Trecker-Fahrer vergeblich

Zwei Anwohner hatten versucht, dem 45-jährigen Trecker-Fahrer zur Hilfe zu kommen. Sie hatten kurz vor halb acht laute Geräusche von Druckluftbremsen gehört und waren sofort zum Bahnübergang gelaufen. "Ich hab' acht oder zehn Minuten mit dem Fahrer gesprochen, aber er wollte nicht von seinem Trecker runter", berichtete einer von ihnen. "Ich hab' gesagt, es ist gleich halb acht, da kommt gleich ein Zug." Dennoch sei der 45-Jährige auf dem Traktor geblieben. Und dann sei der Zug auch schon da gewesen.

Traktor-Fahrer stirbt an der Unfallstelle

Nach Angaben der Polizei waren technische Probleme dafür verantwortlich, dass der Traktor sich nicht mehr bewegen ließ. Nach ersten Ermittlungen hatten die Bremsen blockiert. Auch eine Vollbremsung des mit Autos beladenen Güterzugs aus Bremerhaven konnte die Kollision nicht mehr verhindern. Erst nach gut einem Kilometer kam der 800 Meter lange Zug zum Stehen. Der Trecker wurde vollkommen zerstört, der Traktor-Fahrer starb noch an der Unfallstelle.

Trümmerteile fliegen weit umher

"Der Mann war so in seine Arbeit vertieft, dass er gar nicht wahrgenommen hat, was ich gesagt habe - anstatt den Trecker da stehen zu lassen und wegzugehen. Er wollte wohl den Trecker retten", so der Anwohner. "Ich hab' nur 'Weg da, weg da, weg da, der Zug kommt!' gerufen. Da hat es einen großen Knall gegeben und es hat gescheppert, das ging so schnell", erzählte sein Nachbar. Die Trümmerteile seien bis vor sein Haus geflogen.

25.000 Liter Gülle im Gleisbett

Auch ein Polizeisprecher vermutete, dass der 45-Jährige den herannahenden Zug überhört und übersehen hat. Die landwirtschaftliche Zugmaschine wurde bei der Kollision völlig zerrissen und mitgeschleift. Der mit mehreren Tausend Litern Gülle gefüllte Tank schlug Leck. Rund 25.000 Liter Gülle flossen ins Gleisbett. Das Güllefass wie auch die Trümmerteile des Traktors wurden zur Ermittlung der Unfallursache sichergestellt. Der Lokführer erlitt leichte Verletzungen.

Aufwendige Aufräumarbeiten

Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten zunächst den in dem Güterzug verkeilten Traktor bergen und das Erdreich ausbaggern, um ausgelaufene Gülle zu beseitigen, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Feuerwehr war am Sonnabend mit bis zu 60 Kräften an der Einsatzstelle.

Der Bahnübergang in Axstedt im Landkreis Osterholz gilt als sicher, auch weil er beschrankt ist. Es habe dort bislang keine Bahnunfälle gegeben, so die Bundespolizei. Auch am Sonnabend, als der mit Autos beladene Güterzug aus Bremerhaven sich näherte, hatten sich die Schranken planmäßig gesenkt. Es sei ein unglücklicher, tragischer Zufall gewesen, dass der Traktor ausgerechnet dort liegen geblieben war, so ein Polizeisprecher.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 13.02.2015 | 17:00 Uhr

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