Stand: 23.10.2019 14:54 Uhr

Traditionssegler "Seute Deern" wird abgewrackt

Die Tage des maroden Traditionsseglers "Seute Deern" sind gezählt: Der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven hat am Mittwoch beschlossen, dass die Bark abgewrackt wird. Das Schiff zu sanieren, sei zu teuer, hieß es. Auf dem Dreimaster hatte es Anfang des Jahres gebrannt, im August war er nach einem Wassereinbruch auf den Grund des Museumshafens abgesackt. Später wurde das Schiff zwar gehoben, doch es schwimmt derzeit nur dank mehrerer Pumpen, die täglich 4.800 Kubikmeter Wasser aus dem Rumpf leiten.

Das Museumsschiff "Seute Deern" liegt in Bremerhaven im Hafen.

Ende des Seglers "Seute Deern" besiegelt

Hallo Niedersachsen -

Das marode Bremerhavener Museumsschiff "Seute Deern" ist nicht mehr zu retten. Der Stiftungsrat des Deutschen Schifffahrtsmuseums hat entschieden den Traditionssegler abzuwracken.

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Schiff weitgehend zerstört, gute Teile kommen ins Museum

Eine Sanierung der Bark wäre äußerst aufwendig gewesen - ein Gutachten bescheinigte der "Seute Deern" in der vergangenen Woche einen "konstruktiven Totalschaden". Demnach seien Außenhaut, Kiel und Unterraum komplett zerstört. Bei einer Instandsetzung müsste das Schiff zu 75 Prozent ersetzt werden, heißt es in dem Bericht. Beim Transport in eine Werft wäre es demnach auseinandergebrochen. Die Teile des historischen Holzschiffes, die gut erhalten sind, sollen ins Museum kommen.

"Seute Deern" wird im Museumshafen abgebaut

Das Abwracken im Museumshafen werde nicht so einfach, sagte Robert Howe, Chef des zuständigen Unternehmens, Bremenports. Die Hafengesellschaft werde sofort mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen. Gleichzeitig solle ein Konzept erarbeitet werden, um den Abbau sicher zu gestalten. Die Kosten für das Abwracken liegen bei schätzungsweise 2,5 Millionen Euro, wie das Bremer Regionalmagazin "buten un binnen" berichtet. Die Kosten für eine Sanierung wurden - vor der Havarie - mit rund 35 Millionen Euro veranschlagt.

Einer der letzten hölzernen Frachtsegler

Die "Seute Deern" ist neben der englischen "Cutty Sark" in Greenwich der letzte große hölzerne Frachtsegler, wie der frühere Leiter des DSM, Detlev Ellmers, kürzlich erklärte. Im Gegensatz zu der Bremerhavener Bark liege die "Cutty Sark" seit den 1950er-Jahren in einer Art Trockendock und sei deshalb unter anderem vor Bohrmuscheln und plötzlichen Wassereinbrüchen geschützt. Ellmers räumte ein, dass die Entscheidung des DSM, die "Seute Deern" im Wasser zu lassen, ein Fehler gewesen sei. "Im Wasser sah das Schiff eben schöner aus", sagte Ellmers.

Seit 1966 ein Wahrzeichen Bremerhavens

Die "Seute Deern" - auf Hochdeutsch "Süßes Mädchen" - ist nach Museumsangaben vor exakt 100 Jahren im US-Bundesstaat Mississippi noch als Viermast-Gaffelschoner unter dem Namen "Elizabeth Bandi" vom Stapel gelaufen. Dort transportierte sie zunächst Holz. Anfang der 1930er-Jahre wurde das Schiff nach Europa verkauft und umgebaut. Damals erhielt es auch die große Galionsfigur, die ihm den neuen Namen gab. In den folgenden Jahren diente der Segler als Schul- und Hotelschiff sowie als schwimmende Jugendherberge, bis er 1966 schließlich in Bremerhaven festmachte und dort zum Restaurant umgebaut wurde. Vier Jahre später kaufte die Stadt das Schiff und schenkte es dem DSM Seither liegt es an seinem derzeitigen Platz im Alten Hafen vor dem Schifffahrtsmuseum. Seit 2005 steht die "Seute Deern" unter Denkmalschutz.

Weitere Informationen

Gutachten: "Seute Deern" ist ein Totalschaden

Eine Sanierung der "Seute Deern" käme einem Gutachten zufolge einem Neubau gleich. Am Mittwoch berät das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, wie es mit dem maroden Segler weitergeht. (18.10.2019) mehr

Fehler im Umgang mit der "Seute Deern"?

Der ehemalige Direktor des Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven hat Fehler im Umgang mit der "Seute Deern" eingeräumt. Sein Vorwurf: Man hätte den Segler in ein Trockendock legen müssen. (05.10.2019) mehr

Die "Seute Deern" schwimmt wieder

Erfolg im zweiten Anlauf: Nachdem die Bergung der abgesackten "Seute Deern" am Sonnabend gescheitert war, hat es am Sonntag geklappt: Der betagte Dreimaster schwimmt wieder. (22.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.10.2019 | 19:30 Uhr

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