Die Kinderklinik am Klinikum Oldenburg. © dpa-Bildfunk Foto:  Mohssen Assanimoghaddam

Totes Frühchen: Staatsanwalt ermittelt gegen Klinik-Personal

Stand: 23.06.2021 19:12 Uhr

Der Tod eines frühgeborenen Babys in Oldenburg beschäftigt die Staatsanwaltschaft. Bisher ist klar, dass die Milch verunreinigt war. Im Fokus der Ermittler steht nun die Milchküche des Klinikums.

Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts der fahrlässiger Tötung Ermittlungen gegen Mitarbeitende des Krankenhauses aufgenommen. Möglicherweise seien Hygienevorschriften missachtet worden. Es müsse geklärt werden, ob Fehler gemacht wurden, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch. Details zu dem beziehungsweise den Beschuldigten nannte er zunächst nicht. Nach Informationen des NDR in Niedersachsen soll es sich bei dem gestorbenen Kind und einem weiteren schwer erkrankten Säugling um Zwillinge handeln. Eine Krankenhaussprecherin wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

Videos
Das Füßchen eines frühgeborenen Babies guckt aus seiner Kleidung heraus.
3 Min

Klinikum Oldenburg: Frühchen stirbt an Keim in Babymilch

Bei drei weiteren Frühchen konnte der Keim nachgewiesen werden. Christina Gerlach berichtet live aus Oldenburg. (22.06.2021) 3 Min

Angerührte Spezialnahrung war belastet

Ein besonders Augenmerk richten die Ermittler auf die Milchküche des Hauses. Obwohl dort strenge Vorschriften herrschen, gelangte der Keim womöglich beim Anrühren in die Babynahrung. Denn laut Klinikum soll das gelieferte Milchpulver nicht belastet gewesen sein, die in der Küche angemischte Spezialnahrung dagegen schon. Wer die Spezialmilch für die Säuglinge anrührt und ausgibt, werde genau vermerkt, hieß es. Bislang sei aber niemand vom Dienst freigestellt worden, sagte die Kliniksprecherin.

Baby stirbt Anfang Juni

Das Frühchen war am 7. Juni auf der Intensivstation gestorben, wie eine Kliniksprecherin am Dienstag bestätigt hatte. Der Zustand des schwer erkrankten Babys habe sich inzwischen stabilisiert. Es sei auf dem Weg der Besserung, sagte Axel Heep, Direktor der Kinder- und Jugendklinik, gegenüber dem NDR. "Bei dem Keim handelt es sich um einen Darmkeim, der bleibende Schäden zur Folge haben kann", sagte Heep. Drei weitere Kinder, bei denen der Umweltkeim Cronobacter nachgewiesen wurde, zeigten demnach keinerlei Symptome.

Klinikleitung erschüttert über Tod des Frühchens

Heep zeigte sich erschüttert. "Für die Eltern ist das ein furchtbarer Verlust", sagte er. "Wir sind alle tief betroffen und es tut uns natürlich auch leid", so Heep. "Wir sind mit den Eltern im Gespräch darüber und versuchen, sie zu unterstützen."

Weitere Informationen
Eine Hand hält einen Messlöffel über einer Schale mit Milchpulver, im Hintergrund steht eine Trinkflasche für Babys. © dpa/picture alliance Foto:  Armin Weigel

Haftstrafen für Milchpulver-Klau im großem Stil

Weil sie Milchpulver im Wert von mehr als 2.000 Euro gestohlen haben, sind zwei Männer zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Hintergrund ist das Geschäft mit geklautem Pulver in China. (23.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.06.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Eine Wohnsiedlung am Canarisweg in Hannover. © NDR Foto: Julius Matuschik

Armutskonferenz Niedersachsen: 100.000 Sozialwohnungen nötig

Die angespannte Wohnungslage drohe die Gesellschaft weiter zu spalten. Vor allem Alleinerziehende seien stark betroffen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen