Stand: 08.02.2019 20:37 Uhr

Tote Trottellummen auch auf Borkum angetrieben

Rätselhaft: Rund 20.000 Trottellummen sollen laut Hochrechnungen zuletzt in der Nordsee gestorben sein.

Tausende tote Trottellummen sind in den vergangenen Wochen an der niederländischen Küste angespült worden. Laut Schätzungen handelt es sich um 20.000 verendete Vögel. Auch an der deutschen Nordseeküste sind inzwischen vermehrt tote Tiere angetrieben worden, wie das niedersächsische Umweltministerium bestätigte. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind auf der Insel Borkum innerhalb eines Monates so viele Kadaver dieser Vogelart wie sonst in einem Jahr gefunden worden. Unklar ist, ob es bei dem Massensterben einen Zusammenhang zur Havarie des Megafrachters "MSC Zoe" in der Nordsee Anfang Januar gibt. Der Biologe Gregor Scheiffarth von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven warnte vor voreiligen Schlüssen. "Wir können im Moment nur spekulieren", sagte Scheiffarth am Freitag NDR 1 Niedersachsen.

Trottellummen vor Borkum hatten kein Plastik im Magen

Zwei Ende Januar auf Borkum tot angetriebene Trottellummen wurden inzwischen untersucht. Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg waren die Tiere geschwächt, hätten jedoch keine Fremdkörper wie Plastik im Magen-Darm-Bereich gehabt. Endgültige Ergebnisse zum Tode der Vögel soll es im März geben. Das Umweltministerium in Hannover nennt die Situation an den niedersächsischen Stränden auffällig, aber nicht dramatisch. Wie viele Vögel gefunden wurden, sei nicht klar - es seien aber deutlich weniger als die berechneten 20.000 toten Vögel in den Niederlanden. Das Ministerium kündigte an, dass am Wochenende Mitarbeiter des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft die Strände auf Borkum nach toten Vögeln absuchen werden.

Vögel in Niederlanden hatten Magen- und Darmschäden

Anders als in Niedersachsen wiesen die ersten in den Niederlanden untersuchten Trottellummen schwere Magen- und Darmschäden auf. Spezialisten der Universität Wageningen nahe der Stadt Leeuwen hatten die verendeten Vögel untersucht. Ein solches Massensterben sei seit Jahren nicht vorgekommen, sagte ein Sprecher der Universität. Ob der Tod der Tiere in direktem Zusammenhang mit der verlorenen Ladung des Frachters "MSC Zoe" steht, der auch mindestens zwei Gefahrgutcontainer verloren hatte, sei nicht klar. Nach der Havarie waren im Norden der Niederlande und an der deutschen Nordseeinsel Borkum tonnenweise Frachtgut und Plastikmüll angespült worden. Es fanden sich unter dem Schwemmgut auch Plastikbeutel, in denen giftige Peroxide transportiert wurden. Das niedersächsische Umweltministerium sieht keinen Zusammenhang zwischen den toten Vögeln und der Havarie. Dazu gebe es keine Erkenntnisse, sagte eine Sprecherin.

"MSC Zoe": Mehr Container über Bord gegangen als bekannt

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass das Containerschiff mehr Behälter verloren hatte als bekannt war. Bei der Löschung der Fracht im Hafen von Danzig stellte sich heraus, dass mindestens 345 statt der bisher angenommenen 291 Container fehlen. Derweil läuft die Bergung der gesunkenen Container vor der niederländischen Küste. Die Ortung sei abgeschlossen, teilte das niederländische Ministerium für Verkehr und Wasserwirtschaft mit. Die vor Borkum gesunkenen Container sind hingegen noch nicht lokalisiert. Eine unbekannte Anzahl soll vor der Insel und in der Nähe des Offshore-Windparks Riffgat liegen.

"MSC Zoe": Container-Ladung wird Strandgut

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Die Container-Bergung in Bildern

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.02.2019 | 10:30 Uhr

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