Stand: 13.11.2018 12:04 Uhr

Teures Wohnen auf Inseln: Land will gegensteuern

Die Preise für Grundstücke auf den Ostfriesischen Inseln sind seit 2009 um teilweise mehr als 400 Prozent gestiegen. Um dem entgegenzuwirken, will das Land Niedersachsen eigene Flächen für den öffentlichen und privaten Wohnungsbau zur Verfügung stellen. Wie das Finanzministerium in einer Mitteilung schreibt, soll der Erbbauzinssatz um 75 Prozent auf bis zu einen Prozent reduziert werden. Bedingung ist, dass ausschließlich für das dauerhafte Wohnen, also nicht zur Vermietung an Gäste, gebaut wird. "Damit korrigieren wir einen großen Teil des Aufwuchses der Grundstückskosten auf den Inseln und helfen den Inselbewohnern, bezahlbare Wohnungen zu finden oder selbst zu schaffen", so der niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU).

Landwirtschaftliche Flächen sollen zu Bauland werden

Der starke Anstieg der Grundstückspreise liegt nach Angaben des Ministeriums an der Insellage und dem damit einhergehenden begrenzten Angebot an Grundstücken. Rund 77 Prozent der gesamten Fläche auf den sieben bewohnten Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge gehörten allerdings dem Land - unter anderem unbebaute Flächen für den Küsten- und Naturschutz. Für die neue Regelung kommen Grundstücke in Frage, die derzeit landwirtschaftlich genutzt werden. Alleiniges Zugriffsrecht erhielten zunächst die Inselgemeinden. Sie könnten selbst entscheiden, ob sie selbst Wohnraum schaffen wollen oder privaten Bauherren über das Untererbbaurecht das Bauen für eigene Wohnzwecke zu ermöglichen.

Hohe Baukosten sind auch ein Problem

In den Inselgemeinden ist man noch skeptisch, ob die Pläne zu günstigerem Wohnraum führen. Auf Borkum zum Beispiel gebe es kaum landeseigene Flächen, die sich als Bauland eigneten, sagte Bürgermeister Georg Lübben (parteilos) NDR 1 Niedersachsen. Und auf Langeoog habe die Gemeinde selbst noch Baugrund, sagte Bürgermeister Uwe Garrels (parteilos). Dieser Baugrund werde bereits günstig verpachtet, hier seien eher die hohen Baukosten das Problem.

Inseln haben keinen eigenen Mietspiegel

Wichtig wären mehr Zuschüsse für die Baukosten, so die Gemeinden. Denn auch das Bauen sei auf den Inseln zum Teil um bis zu 40 Prozent teurer als auf dem Festland. Außerdem wäre eine Anpassung der Hilfen für Wohngeldempfänger ein wichtiger Schritt. Dazu müsste für die Inseln ein eigener Mietspiegel berechnet werden. Bisher wird nur eine Durchschnittsmiete für die Landkreise gebildet, weil die Inselgemeinden zu klein sind, wie es im Bericht von NDR 1 Niedersachsen heißt. Dadurch werden die günstigeren Mieten auf dem Festland mit eingerechnet, wodurch der Mietspiegel für die Inseln nicht mehr realistisch sei. Damit sei das ausgezahlte Wohngeld zu niedrig. Diese Regelung falle jedoch in die Zuständigkeit des Bundes.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.11.2018 | 12:00 Uhr

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