Stand: 12.01.2018 19:40 Uhr

Teilprivatisierte JVA Bremervörde: "Es läuft"

Bremervörde hat den Anfang gemacht. Heute vor fünf Jahren eröffnete hier das erste teilprivatisierte Gefängnis Niedersachsens. Damals wie heute sorgt die ungewöhnliche Organisation der JVA im Landkreis Rotenburg für Diskussionsstoff. Laut Anstaltsleitung hat sich das Modell inzwischen etabliert. Die Zusammenarbeit laufe gut, sagen private Mitarbeiter wie auch die Justizvollzugsbeamten.

Vier private Dienstleister involviert

89 private Mitarbeiter von vier Dienstleistern kümmern sich um die Verpflegung, die Gesundheits- und die Sozialfürsorge der Inhaftierten. Die Gefangenen bewachen und die Zellentüren schließen oder öffnen, dürfen sie aber nicht. Diese Aufgabe übernehmen wie in rein staatlichen Gefängnissen 99 Landesbedienstete. Auch die Beschäftigung der Gefangenen sollen ab dem Sommer Landesbedienstete organisieren. Denn der dafür eingesetzte private Dienstleister hat inzwischen gekündigt. Der Betrieb habe sich wirtschaftlich nicht rentiert, so Anstaltsleiter Arne Wieben.

Teilprivatisierung macht Betrieb günstiger

Die Vorteile der Teilprivatisierung sind in erster Linie finanzieller Natur. 286 Millionen Euro kostet das für 25 Jahre veranschlagte Projekt insgesamt. Der Effizienzvorteil soll fünf Prozent betragen. Diese Zahl wird jetzt vom Justizministerium Niedersachsen überprüft. Dazu werden die Erfahrungswerte und Zahlen aus den ersten fünf Jahren der JVA evaluiert. Ein Ergebnis liegt derzeit noch nicht vor.

Schmuggelvorwürfe gegen private Mitarbeiter

Zweifel an dem Erfolg des Modells gab es im Mai 2017. Mehreren Mitarbeitern von privaten Dienstleistern wird vorgeworfen, sich an dem Schmuggel von Handys und Drogen in dem Gefängnis beteiligt zu haben. Die Staastanwaltschaft Verden ermittelt noch gegen einen Mitarbeiter eines Privatunternehmen. Der Verdacht gegen die anderen Mitarbeiter hat sich nicht bestätigt, sie sind bereits wieder in der JVA tätig.

Zu kurze Ausbildungszeit?

Die Entscheidung, die JVA Bremervörde teilweise zu privatisieren, hatte der Verband Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter (VSNB) schon vor der Eröffnung im Januar 2013 kritisiert. Vor allem die kurze Ausbildungszeit von nur drei Monaten für private Mitarbeiter, war dem Verband ein Dorn im Auge. Die Angestellten seien damit nicht ausreichend für die Arbeit in einem Gefängnis ausgebildet, hieß es.

Weitere Informationen

Erste teilprivatisierte JVA eingeweiht

Justizminister Busemann hat in Bremervörde das erste privat finanzierte Gefängnis Niedersachsens eröffnet. Der Verband der Strafvollzugsbediensteten übt heftige Kritik. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 10.01.2018 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:48
Hallo Niedersachsen

Weltpremiere: Wasserstoffzug nimmt Betrieb auf

16.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:47
Hallo Niedersachsen

Skurrile Behausungen: Bienenbeuten mal anders

16.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:48
Hallo Niedersachsen

Sicherungsverwahrte: Wie viel Freigang muss sein?

16.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen