Bauarbeiter verlegen ein Gleichstrom-Erdkabel © picture alliance/dpa Foto: Carsten Rehder

"Stromautobahn" aus Niedersachsen soll Königreich versorgen

Stand: 31.10.2021 13:29 Uhr

Strom in Großbritannien ist teuer. Ein Stromkabel von Wilhelmshaven bis zur Halbinsel Hoo an der Themse-Mündung soll dort den Preis drücken und auch Deutschland Vorteile bringen.

Die "Stromautobahn" soll 2026 an den Start gehen. Das 720 Kilometer lange Unterwasser-Stromkabel soll den Austausch von Elektrizität zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich vereinfachen. Auch der Name ist halb Deutsch, halb Englisch: NeuConnect nennt sich die geplante Verbindung. Bis zu 1,4 Gigawatt Strom kann NeuConnect laut Plan in beide Richtungen transportieren. Das wäre ausreichend Energie für rund 1,5 Millionen Haushalte.

Karte: NeuConnect: Stromtrasse von Niedersachsen nach Südengland

Auch Deutschland hofft auf Kostensenkung

Bei ihrem Abschiedsbesuch in Großbritannien hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Juli mit Premierminister Boris Johnson über das Vorhaben gesprochen. "NeuConnect kann aus Sicht der Bundesregierung erhebliche volks- und energiewirtschaftliche Vorteile bieten", teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das Projekt könne das deutsche Übertragungsnetz entlasten, Kosten senken und erneuerbare Energien grenzüberschreitend integrieren.

Kosten übernimmt ein Investoren-Konsortium

1,66 Milliarden Euro kostet das Stromkabel ungefähr. Zahlen wird weder die deutsche noch die britische Regierung, sondern ein Investoren-Konsortium. "Die erstmalige Verbindung zweier der größten europäischen Energiemärkte wird zu einer widerstandsfähigeren und nachhaltigeren Stromversorgung in Deutschland und Großbritannien führen", hieß es von der NeuConnect Deutschland GmbH. Die Briten hoffen, dass die Verbindung die Stromkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher reduzieren wird. Diese sind dort höher als in Deutschland. Hierzulande könnte man derweil mithilfe von NeuConnect überschüssigen Strom abgeben.

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Gerade erst hat Großbritannien zusammen mit Norwegen eine Stromverbindung in Betrieb genommen. Der sogenannte North Sea Link ist mit ebenfalls 720 Kilometern das bisher längste Untersee-Stromkabel der Welt. Zwischen Deutschland und Norwegen besteht seit Kurzem ebenfalls ein solcher sogenannter Interkonnektor durch die Nordsee, der NordLink. Diese gut 620 Kilometer lange Verbindung ermöglicht einerseits den Zugang zu deutschem Windstrom und in die andere Richtung zu Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.10.2021 | 15:00 Uhr

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