Stand: 27.08.2018 21:15 Uhr

Starker Rückgang: Aale vom Aussterben bedroht

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Wie verhält sich der Aal in der Strömung? Reinhold Hanel, Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie, will es herausfinden.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand des Europäischen Aals dramatisch zurückgegangen. Der Fisch gilt als vom Aussterben bedroht. Nach Schätzungen von Experten leben in Europa inzwischen 95 Prozent weniger Aale als während der 1970er-Jahre. Die Ursachen für den Rückgang seien noch unklar, sagte Reinhold Hanel, Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie in Bremerhaven. Er gehe davon aus, dass Klimaveränderungen, Schadstoffe, eingeschleppte Parasiten und der Einfluss des Menschen dabei eine Rolle spielten.

Aale werden in Elbe ausgesetzt

Im April erst wurden bei Bleckede im Landkreis Lüneburg wieder 300.000 Glasaale, also die jungen Tiere, in die Elbe gesetzt. Im Jahr 2016 konnte der Bestand im Fluss so leicht erhöht werden. Wie sinnvoll solche Aktionen überhaupt sind, darüber wird diskutiert. Die Aal-Arbeitsgruppe des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) gab etwa zu bedenken, dass gut 40 Prozent der jungen, in Flussmündungen gefangenen Aale während des anschließenden Transports zum Ort, an dem sie ausgesetzt werden sollen, sterben.

Das Leben des Aals ist schwer nachvollziehbar

In Europa kommen Hanel zufolge nur noch etwa fünf Prozent der Jungaal-Anzahl an, die dort noch vor 40 Jahren gezählt wurde. Genaue Bestandszahlen seien aber nicht bekannt - dazu seien der Weg und das Leben des Aals zu komplex und zu schwer nachzuvollziehen. "Die Datenlage ist trotz internationaler Forschung gering. Es gibt vieles, das man nicht weiß", so Hanel weiter.

Bedroht: Der Europäische Aal

Laut Experten wird der Europäische Aal (Anguilla anguilla) vor Nordamerika in den Tiefen der Sargassosee, einem Gebiet südöstlich von Bermuda, geboren. Mit dem Golfstrom werden die winzigen Jungaale über eine Zeit von einem bis drei Jahre an die Küsten Europas getrieben. Vor dem Erreichen der Küste verwandeln sie sich in Glasaale und wandern nach einer weiteren Umwandlung als Gelbaale in die Flüsse und Seen. Dort verbringen sie einen Großteil ihres Lebens, um sich eine Fettschicht anzufressen. Nach 8 bis 14 Jahren schwimmen sie als Blankaale zurück an ihren Geburtsort, wo sie wieder laichen und anschließend sterben. Die Tiere stehen auf der roten Liste und sind vom Aussterben bedroht.

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Die Europäische Union hat bereits vor zehn Jahren reagiert und forderte in einer Verordnung von 2007 die Mitgliedsstaaten auf, Pläne für den Schutz der Fische zu entwickeln. Im vergangenen Jahr wurde zusätzlich eine dreimonatige Schutzzeit in der Nord- und Ostsee beschlossen. Während dieser Zeit dürfen Aale nicht gefangen werden. Umweltschützer fordern sogar ein generelles Fangverbot, wie etwa in Irland. Beim Aalfang in Deutschland habe sich bereits viel verändert, es gebe mehr Bürokratie als bei anderen Fischarten, hieß es beim Deutschen Fischereiverband. Jeder Aalfischer müsse gelistet sein und seine Fangmengen dokumentieren. Als Folge seien die Fangmengen aus deutschen Flüssen deutlich zurückgegangen: von 769 Tonnen im Jahr 2007 auf 463 Tonnen im Jahr 2016.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.08.2018 | 19:30 Uhr

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