Stand: 08.11.2018 12:45 Uhr

Schlachthof: Händler kündigen Zusammenarbeit

  • Im Schlachthof GK Oldenburg sollen Rinder unnötig gequält worden sein
  • Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt
  • Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) fordert Kameras in allen Schlachthöfen
  • Erste Handelsketten kündigen vorerst Zusammenarbeit mit GK Oldenburg

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In dem Schlachthof GK Oldenburg sollen Rinder unter anderem bei vollem Bewusstsein ausgeblutet worden sein.

Erste wirtschaftliche Konsequenzen für den in die Kritik geratenen Oldenburger Rinderschlachthof: Nach den heimlich gedrehten mutmaßlichen Tierschutzverstößen kauft die Bünting-Gruppe aus Leer vorerst kein Fleisch mehr beim Schlachthof GK Oldenburg ein. Eine Sprecherin der Gruppe, zu der unter anderem die Supermarktketten Combi und Famila gehören, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ), man sei über die Vorgänge in dem Schlachthof entsetzt gewesen und halte diese für völlig inakzeptabel. "Aus diesem Grund haben wir bis zur vollständigen Klärung und Sicherstellung der tierschutzrechtlichen Vorgaben die Zusammenarbeit mit dem Schlachthofbetrieb in Oldenburg mit sofortiger Wirkung eingestellt." Laut dem Deutschen Tierschutzbüro hat auch der Tiefkühlkost-Hersteller Frosta die Zusammenarbeit mit dem Schlachthof vorerst eingestellt.

Screenshot aus heimlichen Videoaufnahmen in einem Schlachthof.  Foto: Deutsches Tierschutzbüro e.V.

Zwei Großkunden kündigen die Zusammenarbeit

Hallo Niedersachsen -

Nach dem Skandal wegen Tierquälereien auf dem Schlachthof Oldenburg haben zwei Großkunden die Zusammenarbeit mit dem Betrieb eingestellt. Eines davon ist das Tiefkühl-Unternehmen Frosta.

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Kein Fleisch an Edeka und Kaufland

Und andere Handelsketten? Immerhin gehört GK Oldenburg zu den bundesweit zehn größten Rinderschlachtbetrieben. Die Edeka-Gruppe jedenfalls unterhält laut dem Zeitungsbericht offenbar keine direkten Geschäftsbeziehungen zu dem Schlachthof. Man wolle aber "detailliert die Geschäfts- und Lieferbeziehungen zu Vorlieferanten" prüfen. Auch an die Supermarktkette Kaufland liefert GK Oldenburg offenbar kein Fleisch.

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Stadt in Erklärungsnot

Unterdessen ist die Stadt Oldenburg in Erklärungsnot: Laut dem NOZ-Bericht konnte die Verwaltung zunächst nicht mitteilen, wie viele Tierschutzverstöße die Veterinärbehörde der Stadt in den vergangenen Jahren in dem Schlachthof festgestellt hat. Die Auswertung dauere noch an. Auch der Landesregierung ist der Schlachthof offenbar länger bekannt: Laut Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast (CDU) wurden in den vergangenen drei Jahren fast 30 Strafanzeigen gegen das Unternehmen gestellt. Warum in Oldenburg trotzdem weiter geschlachtet werden durfte, will sie nun prüfen lassen. Eine Sprecherin des wirtschaftseigenen Kontrollsystems "QS" teilte außerdem mit, in den vergangenen Jahren hätten mehrere Kontrollen stattgefunden, dabei seien Abweichungen festgestellt worden. Diese stünden aber nicht im Zusammenhang mit den von Tierrechtlern angeprangerten mutmaßlichen Missständen.

Rinder bei Bewusstein ausgeblutet?

Am Dienstag hatte der Verein "Tierschutzbüro" heimlich gedrehte Aufnahmen aus dem Betrieb veröffentlicht. Eigenen Angaben zufolge bewiesen mehr als 600 Stunden Videomaterial aus dem Schlachthof, dass viele Tiere "unzureichend und nicht fachgerecht betäubt" und bei vollem Bewusstsein mit einem Stich in den Leib ausgeblutet wurden. "Wir zweifeln weder die Authentizität der Bilder an noch möchten wir die Vorfälle kleinreden", hieß es daraufhin in einer Mitteilung von GK Oldenburg.

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Staatsanwaltschaft ermittelt

Das Tierschutzbüro und das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium haben inzwischen Strafanzeige gegen das Unternehmen erstattet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt bereits. Außerdem lässt die Stadt Oldenburg unter anderem sämtliche Schlachtungen durch einen Veterinär überwachen. Deren Einsatz ist allerdings umstritten, weil auf den Videoaufnahmen auch Amtsveterinäre zu sehen sein sollen, die bei den Quälereien weggeschaut beziehungsweise in einigen Fällen sogar mitgemacht haben sollen. Die Behörde will das nun intern untersuchen.

Kameras in allen Schlachthöfen gefordert

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) fordert als Konsequenz aus den Vorwürfen nun eine flächendeckende Überwachung mit Kameras in Schlachthöfen. Diese seien in Betrieben grundsätzlich erlaubt und kämen auch schon zum Einsatz. Die Grünen im Bundestag plädieren für eine bundesweite Überwachung. Otte-Kinast rechnet im Vorfeld der Fachmesse EuroTier in Hannover außerdem mit weiteren Videos, die mögliche Tierschutz-Verstöße wie zuletzt in den Schlachthöfen in Oldenburg und Bad Iburg zeigen. Dazu gäbe es Hinweise.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.11.2018 | 07:30 Uhr

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