Stand: 19.06.2020 21:37 Uhr

Schiffbau gerät wegen Corona-Krise ins Trudeln

von Katharina Seiler
Das Kreuzfahrtschiff "Genting Dream" wird ausgedockt. © dpa Foto: Ingo Wagner
Mehr als 6.000 Menschen in Niedersachsen arbeiten im Schiffbau. (Archiv)

Die Corona-Krise trifft auch den Schiffbau - und das trifft auch Niedersachsen. Mehr als 6.000 Menschen arbeiten in niedersächsischen Werften und nochmal rund 12.000 Personen in Zulieferbetrieben. Wie die Arbeitsplätze im Schiffbau und die Schiffbauindustrie erhalten werden können, das stand am Freitag auf der Tagesordnung im Deutschen Bundestag in Berlin - wurde jedoch an weitere Ausschüsse überwiesen. Die Fraktionen von Union und SPD fordern die Bundesregierung auf, der Schiffbauindustrie zu helfen. Sie soll öffentliche Aufträge für den Bau von Behörden-, Forschungs- und Marineschiffen vorziehen und an deutsche Werften zu geben.

Besser als nur Geld?

Das sei besser als nur Geld zu geben, findet etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff aus Emden - schließlich bekomme man hinterher auch etwas. Und wenn der Staat diese Aufträge für Schiffe vergebe, dann sollten auch möglichst innovative und umweltfreundliche Technologien verbaut werden, sagt Saathoff, damit der Schiffbau für die Zukunft gerüstet sei. Für Reinhard Lüken vom Verband Schiffbau und Meerestechnik wäre es schon mal ein guter Anfang, wenn öffentliche Aufträge vorgezogen und an deutsche Werften vergeben würden. Aber ausreichen werde das nicht, befürchtet er.

Weitere Informationen
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Volle Wucht erst mit Zeitverzug?

Er glaubt, dass die volle Wucht der Folgen der Corona-Krise den Schiffbau erst mit Zeitverzug treffen werde. Und zwar dann, wenn die jetzigen Aufträge abgearbeitet sind und keine neuen mehr nachkämen. Diese Gefahr sieht auch die IG Metall Küste. Für den Gewerkschafter Daniel Friedrich steht deshalb fest, die Werften bräuchten jetzt dreierlei: Aufträge vom Staat für den Bau von Forschungs- oder Marineschiffen; dazu sollte das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate verlängert werden. Außerdem benötigten einige Werften auch direkt Geld vom Staat, um zahlungsfähig zu bleiben.

IG Metall plant Aktionen ab Montag

Mit der Papenburger Meyer Werft gibt es bereits Gespräche über direkte finanzielle Hilfen, bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium. Doch wenn der Staat Geld gibt, sollte er das nicht ohne Gegenleistung tun, findet der Gewerkschafter Friedrich. So sollten die Arbeitgeber zusichern, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Standorte zu sichern. Ab Montag plant die IG Metall Küste an verschiedenen Standorten Aktionen, um auf die angespannte Situation aufmerksam zu machen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2020 | 12:00 Uhr

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