Stand: 09.02.2018 14:48 Uhr

Sammeln Jevers Krähen bald Zigarettenkippen?

Jever hat ein Krähen-Problem: Hunderte Vögel nisten in einem breiten Gürtel alter Bäume rund um die Innenstadt, und das schon seit mehr als 20 Jahren. Sie sind laut, vermehrungsfreudig und verschmutzen mit ihrem Kot Autos, Gehwege und Passanten. Doch trotz zahlreicher Versuche konnten die Tiere bislang nicht vertrieben werden. Zuletzt scheiterte offenbar auch der Versuch, die Tiere mit Lasern zu vertreiben. Doch nun ist eine neue Idee im Anflug: Wenn die Tiere schon da sind, sollen sie sich wenigstens nützlich machen - und zwar beim Müllsammeln.

Zeichnung einer Krähe

Idee in Jever: Krähen sollen Kippen sammeln

Hallo Niedersachsen -

Seit zwei Jahrzehnten kämpft Jever gegen eine Krähenplage. Jetzt will die Stadt aus der Not eine Tugend machen - und die Vögel dazu bringen, Zigarettenstummel einzusammeln.

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Mehr Zigaretten, mehr Futter

Konkret geht es um das Start-Up "Crowded Cities" aus Amsterdam. Die jungen holländischen Tüftler Ruben van der Vleuten und Bob Spikman haben einen Automaten entwickelt, der Krähen mit Futter belohnt, wenn sie Zigarettenstummel hineinfallen lassen. Nach und nach lernen die Vögel den Erfindern nach, dass ihnen dieses Verhalten Vorteile bringt. Und sammeln mehr Zigaretten. Sollten sich auch Jevers Krähen derartig animieren lassen, wären sie zwar immer noch vor Ort. Aber möglicherweise könnte die Akzeptanz für ihre Präsenz steigen.

Gründer arbeiten fieberhaft an Automat

Bislang ist das Projekt noch im Anfangsstadium. "Wir haben im Augenblick sehr viel mit unserer Technik zu tun", schreibt Gründer Van der Vleuten auf Anfrage von NDR.de. "Deshalb möchten wir uns vor allem darauf konzentrieren, das Projekt voranzutreiben." Die zahlreichen Medienanfragen lasse man bewusst unbeantwortet.

Krähen sind lernfähige Tiere

Krähen gelten als äußerst lernfähig. So beschreibt etwa der Tübinger Tierphysiologe Andreas Nieder etwa im Gesprächmit der "Süddeutschen Zeitung", dass man schon Krähen dabei beobachtet habe, wie sie Nüsse auf die Straße legen und warten, bis ein Auto drüberfahre. In einem Experiment war es dem US-Amerikaner Joshua Klein zudem bereits gelungen, Krähen zu Münzsammlern "auszubilden".

Bürgermeister findet die Idee spannend

Ein besseres Miteinander zwischen Mensch und Krähe - so könnte man die Idee von "Crowded Cities" umschreiben. Jevers Bürgermeister Jan Edo Albers (CDU) hält das Ganze im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen für eine spannende Idee. "Es gelingt nicht, die Krähen zu vergrämen", gesteht er ein. Darum sei es an der Zeit, anders an das Thema heranzugehen. "Die Krähen stehen immerhin unter Naturschutz", sagte Albers. Wenn man sie anders nicht vertreiben dürfe, müsse man wohl mit ihnen leben. Zudem würden die Krähen schon jetzt Zigarettenstummel für den Nestbau nutzen. Da läge die Verbindung zum Sammeln und Entsorgen doch durchaus nahe.

Krähen-Deal: Futterkörner gegen Zigarettenstummel

NABU: Das lockt noch mehr Tiere an

Der Bürgermeister der Gemeinde Ihlow im Landkreis Aurich, Johann Börgmann (SPD), kann sich die Innovation für seine Gemeinde nicht vorstellen. Aus seiner Sicht würden die Krähen nach wie vor dieselben Stellen zum Brüten nutzen, Krach machen und die Bürger stören. Der Naturschutzbund NABU glaubt sogar, der Bestand könnte sich vergrößern, weil die Tiere für das Zigarettensammeln mit Futter belohnt werden und das weitere Krähen anlocken könnte. Aus Tierschutzsicht bestehe aber kein Problem.

Laser-Pläne sind gescheitert

Der Plan, mit Lasern gegen Hunderte Krähen in der Innenstadt in Jever vorzugehen, ist jedenfalls gescheitert. Der Landkreis als Naturschutzbehörde hatte Bürgermeister Albers zufolge schärfere Auflagen gemacht: So dürften zum Verscheuchen der Tiere nur schwächere Laser der Kategorie 1 genutzt werden, die die Netzhaut nicht schädigen. Doch diese Laser reichten nicht bis in die Baumkronen, so der Bürgermeister.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.02.2018 | 19:30 Uhr

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