Stand: 26.03.2019 17:24 Uhr

Salmonellen: Wer ist Schuld am verseuchten Futter?

6.000 Schweine auf einem Hof in Neuharlingersiel müssen getötet werden. (Themenbild)

Ein Landwirt aus Neuharlingersiel (Landkreis Wittmund) muss seinen gesamten Schweinebestand töten. Betroffen sind rund 6.000 Tiere. Ursache für die Erkrankung vieler seiner Schweine sei eine Infektion durch Salmonellen verseuchtes Futtermittel, sagte der Landwirt Eckhard Janssen NDR 1 Niedersachsen. Die Salmonellen und Schimmelpilzgifte im aus der Ukraine stammenden Futter hatte das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) nach den ersten Erkrankungen seiner Tiere auf dem Hof festgestellt. Doch woher kommt die Verunreinigung im Futtermais? Nach Ansicht des Landwirts wurde das Futter bereits verseucht geliefert. Demgegenüber stehen aber die negativen Ergebnisse der Proben, die bei der Einfuhr des Futters im Braker Hafen genommen worden sind.

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Bei Einfuhr kein Salmonellen-Nachweis

Als das Futter im vergangenen Dezember dort ankam, soll es einwandfrei gewesen sein, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Das stellten Kontrolleure des Hamburger Importeurs ADM Germany fest. Denn alle Futtermittel, die aus Drittländern in Land kommen, werden bei Ankunft an Bord untersucht. Auch das LAVES hatte demnach Stichproben genommen, bei denen keine Salmonellen und Schimmelpilzgifte festgestellt worden waren. Auch die von der Behörde gelagerten Proben seien vier Wochen nach Ankunft des Futtermittels noch einwandfrei gewesen.

Futter auf dem Hof mikrobiologisch auffällig

Nachdem vermehrt Tiere auf dem Hof in Neuharlingersiel erkrankt waren, hatte die Futtermittelkontrolle des LAVES im Januar Proben vom gesamten Futter des Betriebes genommen. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde dem NDR. Dabei sei das Futter positiv auf Listerien und Salmonellen getestet worden. Zudem sei das Futter auch mikrobiologisch auffällig gewesen.

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"Problem könnte beim Betrieb selbst liegen"

"Listerien und Salmonellen gibt es überall. Aber bei mangelnder Hygiene breiten sie sich besonders gut aus", sagte eine Sprecherin des LAVES. "Das Problem könnte beim Betrieb selbst liegen", sagte das Veterinäramt Jade-Weser. Darin ist sich der Hamburger Futtermittel-Importeur sogar ganz sicher: Das Futter sei wohl auf dem Hof des Landwirts durch langes und unsachgemäßes Lagern verunreinigt worden, sagte ein Sprecher des Importeurs. Das Futter sei auch an andere Kunden gegangen, von denen hätte sich noch niemand beschwert.

Landwirt: "Vielleicht ist da was durchgerutscht"

Ob der Landwirt nun die Schuld an den Verunreinigungen selbst trägt, dafür gibt es abschließend keinen Beweis. Das Gegenteil kann Bauer Janssen aber auch nicht beweisen. Er habe den Mais sofort verfüttert, sagte er und weist darauf hin, dass die Behörden eben nur stichprobenartig kontrolliert hätten. "Vielleicht ist da was durchgerutscht", sagte er NDR 1 Niedersachsen.

1.000 Tiere sind schon getötet worden

Der Landwirt jedenfalls steht vor der Tötung seines gesamten Schweinebestands. Rund 1.000 Tiere musste er nach eigenen Angaben bereits töten. 5.000 weitere würden in den nächsten Wochen geschlachtet - darunter auch viele tragende Sauen. Die Ferkelzucht sei deshalb dahin, so Janssen, und der finanzielle Schaden enorm. Der Landwirt will seinen Betrieb jetzt aufgeben und nur noch auf Ackerbau und Windkraft setzen. Wer einmal 1.000 kranke Tiere habe töten müssen, der habe die Nase voll, sagte er.

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Tötung aus Tierschutzgründen

Die übrigen 5.000 Schweine, die noch am Leben sind, seien nicht ernsthaft erkrankt, sagte ein Sprecher des Veterinäramtes Jade-Weser. Sie hätten allerdings erste Anzeichen wie Nekrosen, also totes Gewebe, an den Extremitäten. Die Unruhe im Stall sorge dafür, dass sich die Schweine gegenseitig anfallen. Und deshalb müsse der ganze Bestand getötet werden - aus Tierschutzgründen. Das Fleisch sei absolut genießbar, werde auch genau untersucht. Allerdings bringe es nicht so viel Gewinn wie etwa Schweinefleisch aus absolut gesunden Beständen, sagte der Sprecher des Veterinäramtes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.03.2019 | 14:00 Uhr

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