Stand: 20.08.2020 15:51 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Säugling zu Tode geschüttelt: Vater vor Gericht

Ein Angeklagter betritt zusammen mit seinem Verteidiger einen Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Gegen den Vater wird am Landgericht Oldenburg wegen Totschlags verhandelt. (Themenbild)

Weil er einen Säugling geschüttelt und damit getötet haben soll, muss sich ein 33-Jähriger aus Wilhelmshaven seit Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Totschlag vor. Er habe seinen etwa zweieinhalb Monate alten Sohn an einem Morgen Anfang März 2018 tödlich verletzt.

Ärzte stellen im Krankenhaus Hirnschaden fest

Zur mutmaßlichen Tatzeit sei der Angeklagte für die Betreuung des Babys zuständig gewesen, sagte die Mutter des Kindes vor Gericht, da sie ihrer Ausbildung als Mechatronikerin nachging. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters erzählte die 29-Jährige, dass sie an besagtem Tag eine Nachricht des Angeklagten erhalten habe, dass das Baby Fieber und einen blauen Fleck im Gesicht habe, blass sei und röchele. Sie bat ihn, mit ihm zum Arzt zu gehen. Der Arzt schickte die Familie ins Krankenhaus, wo Ärzte einen Hirnschaden bei dem Baby feststellten. Der Säugling kam auf die Intensivstation und starb rund drei Wochen später.

Mutter verwundert über Missbrauch

Die 29-Jährige und ihr Vater sagten vor Gericht, dass sie überrascht gewesen seien, als die Ärzte eine Misshandlung für die Verletzungen verantwortlich machten. Demnach dachten beide erst an die Folgen einer Impfung. Erst als eine Ärztin von einem Rippenbruch berichtete, sei ihr klar geworden, dass dies nicht sein könne, sagte die 29-Jährige. Ihr Verlobter habe ihr versichert, dass er dem Jungen nichts getan habe. Auch der Großvater des Kindes konnte sich das nach eigenen Angaben zunächst nicht vorstellen.

Angeklagter: "Ich schaffe das wirklich alleine"

Die Mutter des Jungen schilderte zudem, dass das Baby in den vorangegangenen Wochen viel geschrien hatte. Sie habe ihren Verlobten mehrfach gebeten, den Jungen zu ihren Eltern zu geben, die im selben Haus lebten. Dieser habe das aber abgelehnt. "Ich brauche keine Hilfe, ich schaffe das wirklich alleine", sagte der Angeklagte in einer Sprachnachricht, die vor Gericht abgespielt wurde.

Vater schweigt vorerst vor Gericht

Der Angeklagte will sich nach Angaben seines Anwalts derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Das Gericht hat weitere Zeugen geladen und vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 20.08.2020 | 10:30 Uhr

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