Stand: 28.11.2017 18:07 Uhr

Unfall in Rastede: War Ausgesetzer betrunken?

Der Fall eines überfahrenen 23 Jahre alten Iraners bei Rastede (Landkreis Ammerland) wirft immer mehr Fragen auf und der Druck auf die Polizei steigt: Der Mann war am Wochenende auf einer Straße vom Auto einer 29-Jährigen erfasst worden und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Derzeit ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung gegen die Frau - "ein normaler Vorgang nach einem Unfall mit Todesfolge", sagte Sprecherin Melissa Oltmanns. Auch wenn diese Frage geklärt ist, bedeutet das nicht das Ende der Ermittlungen. Denn auch das Verhalten der Polizei wird überprüft, weil Beamte der Polizeiinspektion Ammerland den 23-jährigen Iraner vor dem Unfall nach einem Platzverweis gut einen Kilometer von dessen Wohnung entfernt abgesetzt hatten.

War Unfallopfer doch betrunken?

Für die Staatsanwaltschaft, aber auch für die Polizei in Cloppenburg, sie hat die Prüfung als unabhängige Dienststelle übernommen, stellt sich die Frage: Haben die Beamten in dieser Nacht korrekt gehandelt? Die Maßnahme der Beamten, der sogenannte Verbringungsgewahrsam, ermöglicht es der Polizei, auffällige Personen an einen weiter außerhalb liegenden Ort zu bringen, an dem sie sich beruhigen sollen. In diesem Fall war das nach Polizeiangaben der Parkplatz. In einem solchen Fall muss die Person allerdings orientierungsfähig sein. Doch war der Mann das zu dem Zeitpunkt auch? Bei der Polizei haben sich mittlerweile Zeugen gemeldet, die den Mann torkeln und offenbar betrunken gesehen haben wollen. Die Polizei selbst und die Staatsanwaltschaft hatten bislang immer mitgeteilt, dass der 23-Jährige nüchtern, klar orientiert und warm genug angezogen gewesen sei. Hätte der Unfall also verhindert werden können?

Bis Ergebnisse kommen, vergehen Wochen

"Wir müssen die Aussagen erst einmal prüfen und abgleichen", sagte Sprecherin Oltmanns. Außerdem werde man erst das von der Ermittlungsbehörde in Auftrag gegebene Gutachten abwarten, das klären soll, ob der Iraner unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss stand. "Sobald die Ergebnisse vorliegen, können wir mehr sagen", fügte Oltmanns hinzu. Das könne noch einige Wochen dauern.

Das passierte vor dem Unfall

In der Unfallnacht hatte sich der junge Mann laut Polizei auf der Wache gemeldet und sich mehrfach darüber beschwert, dass er nicht in eine Kneipe gelassen wurde. Er wurde gebeten, die Wache zu verlassen, fiel aber weiterhin durch Geschrei auf, bis die Beamten einen Platzverweis aussprachen. Auch dieser konnte den Mann nicht beruhigen. Anschließend entschieden sich die Beamten, den Mann nach Hause zu bringen. Doch wegen eines "dringenden Folgeeinsatzes" setzten die Beamten ihn auf einem Supermarktparkplatz aus. Von dort aus ging er nicht nach Hause, sondern in die entgegengesetzte Richtung über die Oldenburger Straße, auf der sich letztlich auch der Unfall ereignete.


28.11.2017 18:07 Uhr

In der Überschrift einer früheren Fassung dieses Artikel war von einem "ausgesetzen Unfallopfer" die Rede. Das kann den Eindruck erwecken, der junge Mann wurde erst nach dem Unfall ausgesetzt. Das ist nicht richtig. Wir haben die Überschrift geändert und bitten die unpassende Formulierung zu entschuldigen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional | 20.11.2017 | 17:00 Uhr

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