Stand: 03.09.2019 14:31 Uhr

Pumpen ausgefallen: "Seute Deern" liegt auf Grund

Sitzt auf dem Grund des Museumshafens in Bremerhaven: Die "Seute Deern" ist voll Wasser gelaufen und abgesackt. Offenbar waren Pumpen ausgefallen, die den maroden Rumpf trocken halten sollten.

Seit 1966 liegt die "Seute Deern" - das "süße Mädchen" - nun schon im Alten Hafen von Bremerhaven. 1972 schenkte die Stadt das historische Segelschiff dem neu gegründeten Deutschen Schifffahrtsmuseum. Doch der Holzrumpf des 1919 in Mississippi als "Elisabeth Bandi" vom Stapel gelaufenen Schiffes ist schon länger marode. Immer wieder waren Reparaturen nötig, zuletzt mussten 150.000 Liter Wasser täglich abgepumpt werden. In der Nacht zu Sonnabend ist die "Seute Deern" nun in den Hafengrund abgesackt.

Sachverständiger prüft Optionen zur Rettung

"Nach jetzigem Kenntnisstand sind die Lenzpumpen ausgefallen", sagte der kaufmännische Geschäftsführer des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) in Bremerhaven, Konrad Otten. Warum sie am Freitagnachmittag ausfielen, ist laut Otten noch unklar. In den folgenden Stunden drang so viel Wasser in das knapp 76 Meter lange Schiff ein, dass dieses zunächst in Schräglage geriet und in der Nacht zu Sonnabend schließlich um zwei Meter auf den Grund des Museumshafens absackte. Ein Sachverständiger prüfe nun, wie der Frachtsegler gehoben werden könne. Otten rechnet am Dienstag mit ersten Ergebnissen.

Oberbürgermeister bleibt optimistisch

"Auch wenn das Schiff schwer beschädigt ist, müssen wir es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aufgeben", sagte Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) am Sonntag. Als Bremerhavener sei er über die erneute Havarie des Schiffs sehr traurig. Im Februar hatte es einen Schwelbrand im Restaurantbereich des historischen Großseglers gegeben. Im Mai waren für die anstehende Sanierung Planungsmittel in Höhe 1,4 Millionen Euro bewilligt worden - anteilig finanziert vom Bund, dem Land Bremen und der Stadt Bremerhaven. Im Juni feierte die Stadt den 100. Geburtstag der "Seute Deern".

Passanten fiel Schieflage der "Seute Deern" auf

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Feuerwehr und THW versuchen, den Wasserschaden an der "Seute Deern" zu beheben. Doch das Betreten des Dreimasters ist zeitweise zu gefährlich.

Einem Passanten war am Freitagabend zunächst aufgefallen, dass die "Seute Deern" schief im Hafenbecken lag. Er benachrichtigte daraufhin die Feuerwehr. Als diese und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) daraufhin das Schiff erkundeten, habe es sich so bedrohlich geneigt, dass der Einsatz abgebrochen wurde. Derzeit liege es sicher im Schlick, wie ein Feuerwehrsprecher NDR.de am Sonnabend sagte. Angesichts der zu erwartenden Touristen habe die Polizei das Gelände jedoch zur Sicherheit weiträumig abgesperrt.

"Müssen alles daran setzen, dieses Schiff zu retten"

Der 100 Jahre alte und knapp 76 Meter lange Dreimastsegler ist stark sanierungsbedürftig. 150.000 Liter Wasser mussten nach Angaben des Museums täglich abgepumpt werden. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum hatte für die Restaurierung jüngst rund 32 Millionen Euro veranschlagt. 17 Millionen Euro davon bezuschusst der Bund, weitere Geldgeber sind das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven. Wann die Sanierung beginnt, ist nach dem Vorfall vom Freitagabend ungewiss: "Wir müssen jetzt alles daran setzen, dieses Schiff zu retten", sagte DSM-Geschäftsführer Otten. "Die Bestrebungen sind nach wie vor, das Schiff zu erhalten." Die "Seute Deern" sei einer der letzten hölzernen Frachtsegler. Die Lebensdauer von Holzschiffen sei eben nicht sehr hoch.


03.09.2019 14:26 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels haben wir fälschlicherweise geschrieben, dass der Rumpf des Schiffes schon seit fast 100 Jahren marode sei. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2019 | 14:00 Uhr

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