Stand: 09.04.2020 17:00 Uhr

Papenburg: Eine Orgel fast wie ein Orchester

In der Antoniuskirche in Papenburg (Landkreis Emsland) wird derzeit eine ganz besondere Orgel eingebaut. Sie ist nicht nur die größte im Bistum Osnabrück, sondern gilt in der Fachwelt auch als "Wunderorgel". Denn das Instrument, gebaut Ende der 1920er-Jahre von der Firma E. F. Walcker & Co., klingt, so sagen Kenner, fast wie ein Orchester. Derzeit wird sie intoniert und gestimmt.

7.200 Pfeifen klanglich abstimmen

Auf dem Orgelboden der Kirche spielt Marco Elmer auf einer speziellen Klaviatur die Pfeifentöne des Groß-Kornetts an. Trotz ihres Alters ist die große Orgel jetzt ganz modern über WLAN mit dem abgesetzten Keyboard verbunden. Der Orgelbauer kann dadurch an jeder Stelle in der Kirche den Klang prüfen. Drückt er die Tasten seiner "Fernsteuerung", wird über ein großes Gebläse Luft in die ausgewählten Pfeifen gepustet. Insgesamt 7.200 Pfeifen hat die Walcker-Orgel, die in luftiger Höhe in der Antoniuskirche eingebaut wurde. "Ich muss jetzt jede dieser Pfeifen einzeln klanglich abstimmen", erklärt Elmer, "damit sie gleich laut sind, dass sie gut ansprechen, wenn ich hineinpuste." Es soll ja alles zusammenpassen.

"Orgel galt als Wunderwerk"

Die Kirchengemeinde habe die Orgel der Stadt Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) für einen symbolischen Euro abgekauft, so Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer. "Die Orgel ist damals für das Rathaus der Stadt gebaut worden, als diese durch die Montanindustrie sehr reich war und zeigen wollte, dass sie eine Kulturstadt ist." Man habe sich dort "verglichen mit dem Konzerthaus in Wien oder großen Kirchen wie dem Hamburger Michel." Die Orgel, berichtet der Pfarrer, "galt als ein Wunderwerk in der damaligen Zeit".

"Pfeifen dürfen erstmals richtig sprechen"

Orgelbauer Elmer spielt im Register die Doppelflöte aus Holz an. Der Wechsel der Walcker-Orgel vom Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen in die neugotische Papenburger Backsteinkirche tue dem Instrument gut, findet er. "Die Pfeifen dürfen hier erstmals richtig sprechen, weil die Akustik im Hans-Sachs-Haus sehr trocken war. Der Raum war wesentlich kleiner und niedriger und es war alles wie in einer kleinen Kammer eingezwängt."

"Die Zuhörer werden vom Klang umarmt"

In der Antoniuskirche hängen die Orgeltürme teils von der Decke. Die so quasi schwebenden Register sind durch silberfarbene Lamellen abgedeckt. Register sind verschiedene Pfeifenreihen, die jeweils die gleiche Tonfarbe haben - zum Beispiel Pfeifen, die wie Streichinstrumente klingen. Der Organist kann sie ferngesteuert auch vom Altar aus bedienen, wie Marco Elmer demonstriert. "Dadurch, dass die Orgel so weit in den Raum hineinragt und auch noch die Chororgel vorne steht, werden die Zuhörer quasi vom Klang umarmt." Die Chororgel ist eine kleine Orgel, die sich nahe dem Altar befindet.

Auch Konzerte geplant

An den Kosten von rund einer Million Euro haben sich das Bistum Osnabrück, die Klosterkammer Niedersachsen, die Stadt Papenburg und der Bund beteiligt. Die Walcker-Orgel soll nicht nur bei Gottesdiensten gespielt werden: Jährlich sind 15 Konzerte geplant. Die festliche Weihe der Orgel war zunächst für Pfingstsonnabend geplant. Weil das Gotteshaus Corona bedingt geschlossen ist, verschiebt sich dieser Temin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 09.04.2020 | 17:00 Uhr

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