Stand: 08.01.2019 12:01 Uhr

"Oldenburger Baby" stirbt mit 21 Jahren

"Einzigartiger, lebensfroher Sohn": Tim überlebte eine Abtreibung in der 25. Woche. Nun ist er gestorben. (Archivbild)

1997 wurde er als "Oldenburger Baby" bundesweit bekannt, nun ist Tim im Alter von 21 Jahren gestorben. Er sei einem kurzen Lungeninfekt erlegen, sagte Pflegemutter Simone Guido am Dienstag in Quakenbrück. Bei Tim war in der 25. Schwangerschaftswoche das Downsyndrom festgestellt worden. Seine Eltern ließen deshalb eine Spätabtreibung machen, die der Junge jedoch überlebte - obwohl er erst neun Stunden später medizinisch versorgt wurde. Das Schicksal des Kindes löste seinerzeit eine Diskussion über Spätabtreibungen aus.

Eltern trauern um "einzigartigen, lebensfrohen Sohn"

Tim habe noch ohne Vorzeichen auf seinen baldigen Tod Weihnachten und Silvester mit der Familie gefeiert. "Er war noch richtig fit, und wir hatten ein superschönes Weihnachtsfest", sagte Simone Guido weiter. Seine Lunge sei aufgrund der frühen Geburt geschädigt gewesen und während der Wintermonate habe er oft Infekte gehabt. "Wir sind sehr traurig und wissen noch nicht, wie wir den Verlust unseres einzigartigen, lebensfrohen und Freude verbreitenden Sohns verkraften sollen", zitiert die Stiftung "Ja zum Leben" Tims Pflegevater Bernhard Guido. Tims biologische Eltern hatten ihn wegen Überforderung abgegeben.

Kritiker von Spätabtreibungen nutzten Tims Geburtstag

Nachdem Tim die Abtreibung überlebt hatte, hatte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Hubert Hüppe, den behandelnden Arzt aus Oldenburg angeklagt. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. In den Folgejahren nahmen Menschenrechtler und insbesondere Gegner von Spätabtreibungen wie die Stiftung "Ja zum Leben" Tims Geburtstage zum Anlass für Demonstrationen. Seine Pflegeeltern hatten zu seinem 18. Geburtstag das Buch "Tim lebt!" mitveröffentlicht.

Später Schwangerschaftsabbruch nur bei Gefahr für Mutter

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb der ersten zwölf Wochen straffrei. Dafür muss die Frau an einer Konfliktberatung teilnehmen und eine dreitägige Bedenkfrist einhalten. Über diese Frist hinaus bleibt eine Abtreibung legal, wenn eine Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren besteht, welche nur durch einen Abbruch abgewendet werden kann.

Tagesschau.de
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Werbeverbot für Abtreibungen: Kritik an 219a-Reform

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Opposition und Ärzte haben die geplante Reform des Paragrafen 219a zu Abtreibungen als "unausgegoren" bezeichnet. (13.12.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.01.2019 | 09:30 Uhr

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