Stand: 09.03.2018 11:14 Uhr

Niels Högel: Weitere Anklage gegen Klinikmitarbeiter

Im Fall der Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel hat das Oberlandesgericht Oldenburg (OLG) den Kreis der anzuklagenden Klinikmitarbeiter um eine zusätzliche Person erweitert. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft ließen die Richter die Anklage gegen eine stellvertretende Stationsleiterin des Klinikums Delmenhorst - dem heutigen Josef-Hospital - zu. Damit kann das Verfahren gegen insgesamt vier frühere Krankenhausmitarbeiter eröffnet werden. Der Termin für den Prozess steht nicht fest. Er wird vermutlich erst nach dem im Herbst beginnenden erneuten Mordprozess gegen Högel stattfinden.

Vorwurf lautet Totschlag durch Unterlassen

Den vier Beschuldigten wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Sie sollen Högel im Jahr 2005 nicht rechtzeitig an weiteren Morden gehindert haben, obwohl er bereits auf frischer Tat erwischt worden war. Damit hätten sie bis zu fünf weitere Morde billigend in Kauf genommen, so die Staatsanwaltschaft. Högel hatte Patienten gefährliche Substanzen gespritzt, um sie anschließend wiederzubeleben. Auf diese Weise soll er an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst mindestens 106 Menschen getötet haben.

OLG gibt Beschwerde teilweise statt

Das Landgericht Oldenburg hatte lediglich die Klagen gegen zwei Ärzte und den damaligen Leiter der Intensivstation zur Hauptverhandlung zugelassen. Im Fall der drei weiteren Beschuldigten sahen die Richter keinen hinreichenden Tatverdacht. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Oldenburg, der im Rahmen der früheren Ermittlungen gegen Högel schwere Versäumnisse vorgeworfen worden waren, Beschwerde ein. Der Strafsenat des OLG gab der Anklagebehörde in einem Fall recht. Das OLG habe die Sach- und Rechtslage in Bezug auf eine stellvertretende Stationsleiterin anders beurteilt, heißt es in einer Mitteilung. Im Fall der beiden weiteren Pflegekräfte bestätigte das OLG dagegen die Entscheidung des Landgerichts.

Stationsleiterin hätte handeln müssen

Nach Ansicht des Strafsenats habe die stellvertretende Stationsleiterin als Pflegerin die Betreuung der Patienten und zugleich die Aufgabe übernommen, diese vor Gefahren auf der Intensivstation zu bewahren. Diesen Pflichten sei sie nicht vollständig nachgekommen. Sie habe zwar ihren unmittelbar vorgesetzten Stationsleiter über konkrete Verdachtsmomente gegen Högel informiert. Als dieser weitergehende Untersuchungen ablehnte, hätte sie an die nächste Führungsebene herantreten müssen.

Angehörigen-Sprecher lobt OLG-Entscheidung

Der Sprecher mehrerer Opfer-Angehöriger, Christian Marbach, begrüßte den Beschluss des OLG. Für die Hinterbliebenen sei es sehr wichtig, dass sich die Krankenhausmitarbeiter ihrer Verantwortung stellen müssen, sagte er gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Dass die zwei weiteren Pflegekräfte nicht angeklagt werden, hält Marbach für richtig und vorteilhaft. Dadurch könnten sie als Zeuge in einem Prozess gegen ihre vier ehemaligen Kollegen nicht die Aussage verweigern. Auch Högel selbst könnte nach seinem eigenen Prozess als Zeuge geladen werden, sagte Marbach. Als Täter wisse er schließlich am besten, wer ihn nicht an seinen Taten gehindert hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.03.2018 | 12:00 Uhr

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