Naturschützer beobachten Storchensterben in Ostfriesland

Stand: 15.06.2021 14:56 Uhr

Zu viel Regen und Kälte: Das hat im Nordwesten Niedersachsens wohl vielen Storchenküken das Leben gekostet. Naturschützer schätzen, dass es rund 70 Prozent der Küken nicht geschafft haben.

Besonders betroffen ist offenbar Ostfriesland. Neben der Mühle Logabirum beispielsweise sitzen zwar noch zwei Storchenpaare in ihren Nestern. "Doch leider sind keine Jungen mehr darin", sagt Hans Appiß, der seit 40 Jahren ehrenamtlicher Storchenvater im Landkreis Leer ist. "In dem einen Nest waren sechs Eier, fünf davon sind geschlüpft. Auf dem Nest nebenan waren fünf Eier gelegt, vier sind geschlüpft und da lebt jetzt noch ein Jungstorch."

"In einigen Orten hat kein einziges Jungtier überlebt"

Dabei ist es eigentlich ein gutes Storchenjahr. Denn in Niedersachsen gibt es so viele Störche wie seit 60 Jahren nicht mehr. Der Naturschutzbund NABU hatte im vergangenen Jahr 1.300 Storchenpaare und mehr als 2.200 Jungtiere gezählt. Und auch im Landkreis Leer gibt es in dieser Saison rund 50 Nester - und damit so viele wie nie zuvor. Doch fast überall bietet sich Storchenvater Appiß dasselbe Bild: Die Nester sind überschwemmt, viele von ihnen haben die Storchenpaare bereits aufgegeben. Unter anderem in Stickhausen, Detern, Neuefehn und Barßel habe kein Jungtier überlebt, sagte Appiß dem NDR in Niedersachsen.

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Problem: Störche verwenden Plastiktüten für den Nestbau

Schuld an dem aktuellen Storchensterben seien vor allem die Kälte und die Nässe im Frühjahr gewesen: "Wenn es mal zwei Tage regnet, macht das nichts, denn wir haben die Nester so präpariert, dass sie gut wasserdurchlässig sind." Wenn es aber wie in diesem Jahr über längere Zeit ununterbrochen regnet, seien er und seine Helfer machtlos, sagt Appiß. Auch, weil die Störche die gereinigten und frisch präparierten Nester mit Plastiktüten und wasserundurchlässiger Silage ausstaffieren. Bei Dauerregen steht ihnen dann das Wasser im Storchennest irgendwann buchstäblich bis zum Hals.

Situation in Aurich und der Wesermarsch ist ähnlich

Ähnlich sieht es nach Informationen des NDR in Niedersachsen auch im Landkreis Aurich und in der Wesermarsch aus. Ein Storchenschwund wie noch in den 1990er-Jahren drohe allerdings nicht, sagen die Storchenbeauftragten in den betroffenen Regionen übereinstimmend. Denn: Die Störche fühlten sich ansonsten wohl im Nordwesten.

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