Stand: 20.07.2020 06:30 Uhr

Nach 110 Jahren: Der letzte "Wangerooger Inselbote"

"Das war's - und Tschüß" - so zu lesen auf der letzten Seite des letzten "Wangerooger Inselboten". Nach 110 Jahren erscheint am 20. Juli die letzte Ausgabe der Inselzeitung - weil der Blattmacher in den Ruhestand geht. Und weil es bisher keinen Nachfolger gibt. Hans-Friedrich Stenzel und seine Frau Christiane haben den "Inselboten" in den vergangenen 40 Jahren in Eigenregie geführt: er als Reporter und Fotograf, sie als Verantwortliche für den Vertrieb. Jeden Monat um die 20 Seiten zu füllen, fiel ihnen nicht schwer - die Stenzels sind immer mit offenen Augen und Ohren über ihre Insel gelaufen. 1.500 Zeitungen für Abonnenten und weitere 1.500 Exemplare für den freien Verlauf auf der Insel produzierten die Stenzels gemeinsam Monat für Monat.

 

Von Kommunalpolitik, Walen und Sturmfluten

Chefreporter, Fotograf, Drucker und Herausgeber in Personalunion - Stenzel berichtete regelmäßig über Kommunalpolitik, Umweltthemen und besondere Menschen von seinem "Sandhaufen", wie er die Insel liebevoll nennt. Besonders im Gedächtnis blieben: ein Flugzeugabsturz vor 13 Jahren, gestrandete Pottwale und die Auswirkungen der Sturmfluten auf der Insel, die Stenzel mit der Kamera festgehalten hat.

Eine Familiengeschichte geht zu Ende

Hans Stenzel vor seiner Druckerpresse für den "Wangerooger Inselboten". © NDR Foto: Christina Gerlach
Handarbeit: Mit der Tiegeldruckmaschiene von 1958 entsteht auch der letzte "Wangerooger Inselbote".

Stenzel lernte das Drucker-Handwerk fernab der Heimat in Lübeck. Dass er eines Tages zurück auf die Insel kehren würde, stand außer Frage. Schließlich war schon der Urgroßvater Drucker - das war 1908, als der Inselboote an den Start ging. Seitdem war die Monatszeitung fest in Familienhand. Das "Unabhängige Mitteilungsblatt", so der Untertitel, entsteht bis zum Schluss mit einem Offset-Drucker und einer alten Tiegeldruckmaschine von 1958 - und mit ganz viel Handarbeit.

Endlich Zeit fürs Familienleben

Auch die Druckerei, die die Stenzel parallel zur Inselzeitung führen, geben sie Ende des Jahres auf. "Ich werde in diesem Jahr 66", sagt Stenzel über seinen bevorstehenden Ruhestand, "da sollte das Familienleben mehr in der Vordergrund rücken." Nicht mehr an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten, das bedeutet auch endlich Zeit für Stenzels Hobby: das Wolfsbarsch-Angeln.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.07.2020 | 19:30 Uhr

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