Stand: 18.02.2018 12:15 Uhr

NS-Raubkunst? Schifffahrtsmuseum untersucht Sammlung

Unter der Lupe: Kathrin Kleibl forscht im Schifffahrtsmuseum nach möglicher NS-Raubkunst.

Handelt es sich bei einigen Ausstellungsstücken des "Deutschen Schiffahrtsmuseums" in Bremerhaven um sogenannte Raubkunst aus dem Dritten Reich? Die Provenienzforscherin Kathrin Kleibl untersucht derzeit die Herkunft von 600 Objekten des Hauses, um zu klären, ob es sich dabei um Stücke handelt, die einst im Besitz von Juden waren und von Nationalsozialisten geraubt wurden. "Bei einigen der untersuchten Objekte liegt der Verdacht auf NS-Raubgut vor", sagte Kleibl. Genaues könne sie aber noch nicht sagen. "Das ist eine Detektivarbeit, die Zeit braucht." Seit einem Jahr nimmt sie Gemälde, Schiffsmodelle, technische Geräte, aber auch Alltagsgegenstände wie Geschirr und Fotoalben in Augenschein.

"Noch ziemlich am Anfang"

Dass ein technisches Museum sich mit der Herkunft seiner Ausstellungsstücke beschäftigt, ist eher ungewöhnlich. Bei Kunstmuseen ist es dagegen schon länger üblich, sich mit der Geschichte der zur Schau gestellten Werke auseinanderzusetzen. "In Deutschland sind wir was die Technikmuseen betrifft noch ziemlich am Anfang", sagte Uwe Hartmann vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste. Das Schifffahrtsmuseum sei eines der wenigen Beispiele. Dieses Phänomen erklärt Hartmann damit, dass das öffentliche Interesse bei bekannten Meisterwerken einfach viel höher sei als bei technischen Ausstellungsstücken und diese als Unikate meist auch einfacher zu identifizieren seien.

30.000 Objekte unter der Lupe

Bei Chronometern und Schiffsmodellen sei die Puzzlearbeit komplizierter, weil dort Aufkleber mit Hinweisen fehlten, sagte Wissenschaftlerin Kleibl. Sollte es sich in einem oder mehreren Fällen bestätigen, dass es sich bei Ausstellungsstücken in Bremerhaven um NS-Raubgut handelt, muss sich Kleibl auf die Suche nach den rechtmäßigen Besitzern oder deren Erben machen. Das Museum werde das Objekt dann zurückgeben, eventuell auch kaufen oder als Dauerleihgabe behalten, sagte sie. Es wird vermutlich noch einige Arbeit auf sie zukommen, denn das Museum will künftig seine komplette Sammlung von 30.000 historischen Objekten untersuchen lassen.


19.02.2018 08:34 Uhr

Hinweis der Redaktion: Das "Deutsche Schiffahrtsmuseum" schreibt sich selber nach der alten Rechtschreibung mit nur zwei "f". Wenn wir den Eigennamen des Museums schreiben, halten wir uns an diese Eigenschreibweise. Ansonsten richten wir uns nach der neuen Rechtschreibung und schreiben Schifffahrtsmuseum mit drei "f".

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 18.02.2018 | 11:00 Uhr

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