Puten stehen in einem Stall. © dpa Foto: Carmen Jaspersen

Ministerium besorgt: Geflügelpest breitet sich weiter aus

Stand: 29.12.2020 10:38 Uhr

Die Geflügelpest breitet sich in Niedersachsen weiter aus. Hotspots sind nach wie vor die Landkreise Cloppenburg und Oldenburg. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) mahnt zur Vorsicht.

"Ich fordere jeden Tierhalter auf, äußerst wachsam bei der Biosicherheit zu sein", sagte die Politikerin. Laut Ministerium wurde die für Tiere hoch ansteckende aber für Menschen meist ungefährliche Geflügelpest mit dem Virus H5N8 bislang in insgesamt sieben Betrieben in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg nachgewiesen. Betroffen sind fast 78.000 Puten. Die Tiere müssen gekeult werden.

Bauern lassen Geflügel freiwillig notschlachten

Erst am Montag mussten auf zwei Höfen in der cloppenburgischen Gemeinde Garrel 18.000 Puten getötet werden. Insgesamt sind allein im Kreis Cloppenburg sechs Betriebe betroffen, ein weiterer im Kreis Oldenburg. Viele Landwirte würden freiwillig ihre nicht ganz ausgewachsenen Tiere zum Schlachten geben, um dem Geflügelpest-Virus H5N8 keine Chance auf Verbreitung zu geben. Das bestätigte Friedrich-Otto Ripke vom niedersächsischen Geflügelwirtschafts-Verband. Dass Bauern oder Zulieferer das Virus leichtsinnig verbreiten, glaubt Ripke nicht: Würde das bekannt, wären die Bestände nicht versichert und ganze Existenzen bedroht.

Sperrbezirke errichtet

Ministerin Otte-Kinast versicherte: Es werde gemeinsam mit den Veterinärämtern vor Ort alles dafür getan, um die Geflügelbetriebe zu schützen. So gibt es bereits Sperrbezirke von drei Kilometern Radius um die betroffenen Betriebe im Landkreis Cloppenburg - dazu ein Beobachtungsbezirk innerhalb von zehn Kilometern. Außerdem gilt das Wiedereinstallungsverbot für mehrere Kommunen. Das bedeutet: Die Ställe müssen 30 Tage leer bleiben, bevor sie mit neuen Puten belegt werden dürfen.

Hintergrund: Geflügelpest und Vogelgrippe

Vogelgrippe-Viren können in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: als gering krankmachende Form (niedrigpathogen) oder stark krankmachende Form (hochpathogen). Wenn sich die hochpathogene Form, die meist zum Tod der Vögel führt, wie eine Seuche ausbreitet, sprechen Experten von Geflügelpest.

Hochpathogene Influenzaviren sind zum Beispiel die Subtypen H5N1, H5N5 und H5N8. Bislang sind keine Fälle bekannt, dass sich Menschen mit H5N8 angesteckt haben. Das Risiko wird als sehr gering eingeschätzt. H5N5 ist ein Mischvirus, das sich durch die Vermengung von H5N8-Viren mit anderen H5-Stämmen bildet. Der Subtyp H5N1 gilt als besonders aggressiv und ist auch auf den Menschen übertragbar.

Kaum Gefahr für Menschen

Wegen einzelner Fälle bei Wildvögeln hatte das Land Niedersachsen bereits Anfang November angeordnet, in Landkreisen mit vielen Wildvögeln oder mit vielen Geflügelhaltern die Tiere im Stall zu halten. Nach Informationen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes können sich Menschen sich nur sehr schwer mit Vogelgrippeviren anstecken. Betroffen sind in der Regel nur Menschen, die sehr engen Kontakt mit erkrankten Tieren haben.

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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 29.12.2020 | 08:00 Uhr

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