Stand: 21.09.2020 11:50 Uhr

Meyer Werft erwartet keine Neu-Aufträge vor 2022

Ein Arbeiter der Meyer Werft steht vor dem neuen Schiff "Celebrity Reflection". © NDR.de Foto: Oliver Gressieker
Alle Arbeitsplätze der Meyer Werft stünden auf dem Spiel, sagte der Geschäftsführer jetzt. (Archivbild)

Der coronabedingte Stillstand in der Kreuzfahrtbranche stürzt auch die Papenburger Meyer Werft in eine große existenzielle Krise. Weil derzeit so gut wie keine Kreuzfahrten stattfinden, rechnet der Geschäftsführer Jan Meyer frühestens ab 2022 wieder mit neuen Aufträgen. Das sagte er in einer Videobotschaft. "Es stehen alle unsere Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wir reden allein von 5.500 Meyer-Mitarbeitern", sagte der Juniorchef und bezog sich dabei neben Papenburg auch auf den Standort Rostock. Betroffen seien auch die Partnerfirmen, die von den Aufträgen der Werft leben, so Meyer.

VIDEO: Corona Kompakt: Meyer Werft in Existenznot (2 Min)

Eingegangene Aufträge werden bis 2025 gestreckt

Allein in der Region Papenburg hängen rund 14.000 Arbeitsplätze an der Meyer Werft. Deutschlandweit sind es nach Angaben des Unternehmens 24.000. Um die Krise zu überstehen, müssen Aufträge für Schiffsbauten bis 2025 gestreckt werden. Darauf habe sich die Werft jetzt grundsätzlich mit den Reedereien geeinigt, sagte Meyer. Statt drei baut die Werft nur noch zwei Schiffe pro Jahr. Dies sei ein "dramatischer Schritt", da die ganze Maschinerie auf den Bau von drei bis vier Schiffen pro Jahr ausgerichtet sei. "Das heißt, es entstehen gravierende Kostenprobleme", so Meyer. Die Werft will deshalb in den kommenden fünf Jahren rund 1,3 Milliarden Euro einsparen. Das entspreche zwölf Prozent des Umsatzes, so Meyer.

"Iona" noch immer nicht abgenommen

Die Werft wartet zudem immer noch auf die Abnahme des Kreuzfahrschiffes "Iona". Der Termin verzögert sich bereits seit Mai. Folgende Termine wurden immer wieder aufs Neue verschoben. Die Reederei moniert Mängel an dem Schiff, die vor der Übergabe alle behoben sein müssen. Die Werft sei weiterhin in guten Gesprächen mit der Reederei, sagte ein Werftsprecher am Montag auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen. Das Problem: So lange das Schiff nicht an die Reederei übergeben wurde, bekommt die Werft ihre 800 Millionen Euro nicht.

Weitere Informationen
Arbeiter der Meyer Werft bei der Ausfahrt der Celebrity Silhouette am 30. Juni 2011  Foto: Ingo Wagner

Land will Meyer Werft mit 20 Millionen Euro helfen

Mit 20 Millionen Euro will Niedersachsen der angeschlagenen Papenburger Meyer Werft helfen. Im Gegenzug forderte Wirtschaftsminister Althusmann den Erhalt von Arbeitsplätzen. (11.09.2020) mehr

Ein Foto zeigt die "Iona" auf der Werft in Papenburg. © NDR Foto: Hedwig Ahrens

Meyer Werft: Übergabe der "Iona" erneut verschoben

Die Meyer Werft bekommt das Kreuzfahrtschiff "Iona" nicht los. Der Auftraggeber moniert Mängel, Hunderte Millionen Euro liegen auf Eis. Folge: Die Werftarbeiter warten auf ihr Urlaubsgeld. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 21.09.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Das Gebäude der Staatsanwaltschaft Oldenburg von außen. © NDR Foto: Oliver Gressieker

Oldenburg: Staatsanwalt rechtfertigt Schlagen von Kindern

Der Anklagevertreter hat in einem Prozess am Landgericht gefordert, einen gewalttätigen Vater milder zu bestrafen. mehr

Ein Foto der auf der "Gorch Fock" ums Leben gekommenen Soldatin Jenny Böken ist auf ihrem Grab auf dem Friedhof zu sehen. © dpa Foto: Henning Kaiser

Fall Jenny Böken: Vater stellt neue Strafanzeige in Aurich

Die Kadettin war im September 2008 vor Norderney ertrunken. Die Ermittlungen waren im Jahr darauf abgeschlossen worden. mehr

Ilia Gruev (v.l.), Yuya Osako und Milot Rashica von Werder Bremen © picture alliance/dpa Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Corona-Tests negativ - Werder gegen Hoffenheim findet statt

Die Bremer sind am Freitag wieder ins Training eingestiegen und haben die Vorbereitung auf das Bundesliga-Spiel aufgenommen. mehr

Loderndes Osterfeuer, davor Menschen als Scherenschnitt erkennbar. © dpa Foto: Carsten Rehder

OVG hat entschieden: Feuer frei im Landkreis Aurich

Die Grünen im Auricher Kreistag hatten zuvor naturschutzrechtliche Bedenken angemeldet. Doch das Gericht lehnte ab. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen