Eine Kiefer wird für den Transport vorbereitet. © NDR

"Methusalems" Reise: Ammerländer Kiefer kommt in die Schweiz

Stand: 28.11.2021 09:17 Uhr

Ausgegraben und verpackt geht es bald für eine 80 Jahre alte Kiefer aus dem Ammerland in ein Schweizer Museum. Stephan Bonk schickt den "Baum mit Charakter" mit einem Schwerlasttransporter los.

Wenn der Baumschulen-Chef aus Bad Zwischenahn über den Nadelbaum spricht, dann gerät er ins Schwärmen: "Die Kiefer ist so gewachsen, wie sie es wollte." Ihre Krone habe eine ganz natürliche Form, "vollkommen unsymmetrisch", sagt er. So fehle ihr zum Beispiel ein großer Ast, der einmal unter der Last des Schnees abgebrochen sei. Ihre Rinde sei stark, über die Jahre sei Moos darauf gewachsen, auf dem die Nadeln hängen bleiben. Ob ihm die Trennung schwerfällt? "Absolut", sagt er. Doch dort, wo sie bald steht, sei der richtige Ort, um weiter alt zu werden.

Renommierter Landschaftsarchitekt holt die Kiefer

Dieser Ort ist ein Park in Rapperswil-Jona, am unteren Ende des Zürichsees. Dort hat Enzo Enea ein Museum für Bäume und Pflanzen geschaffen. Dem Landschaftsarchitekten aus der Schweiz sagt man nach, er würde Gärten so komponieren, wie andere Bilder. Bonk ist begeistert von seinem Schaffen und arbeitet bereits seit vielen Jahren mit Enea zusammen. Und als dieser einmal wieder im Ammerland war, sei ihm die Kiefer direkt aufgefallen. Eigentlich wollte Enea den Baum für ein großes Bauprojekt in Düsseldorf haben. Doch dazu sei es dann nicht gekommen. Für Bonk kein Problem: "Im Museum können sich mehr Menschen diesen schönen, von der Natur geformten Baum anschauen."

"Methusalems" zweiter Umzug

Und auch wenn die Kiefer, die er und seine Mitarbeitenden wegen ihres hohen Alters "Methusalem" nennen, in ihrem Aussehen nicht händisch bearbeitet wurde, kostete sie Bonk bislang durchaus Arbeit. Denn ihr Umzug in die Schweiz ist nicht der erste. Aus einem Kiefernzapfen war sie ursprünglich auf dem Feld eines Landwirts in der Nachbarschaft erwachsen. Nachdem Bonk die Fläche gepachtet hatte, entschloss er sich vor gut acht Jahren, den Baum auf sein Gelände umzusetzen. "Auch das war nicht einfach", erinnert er sich. Die Wurzeln seien schon so groß und kräftig gewesen, dass das Hacken der Wurzel den Tod des Baumes bedeutet hätte.

Viel Geduld und Vorsicht gefragt

Also nahm sich Bonk viel Zeit. Jedes Jahr wurde ein Viertel, aufgeteilt wie ein Tortenstück, um die Ballen freigegraben und die Wurzeln an der Stelle mit Bedacht abgestochen. Nach vier Jahren wurde der Baum dann mit Hilfe einer sogenannten Ballenstechmaschine an den neuen Platz bei der Baumschule gesetzt. Dort sollte sie bleiben und eigentlich das Markenzeichen seines Unternehmens werden. Bis der Schweizer Landschaftsarchitekt Enea kam.

Verpackt mit Draht und Jutegewebe

Ähnlich intensive Arbeiten wie damals laufen gerade wieder. Seit Mitte der Woche wird der Baum für seine Fahrt in die Schweiz präpariert. Zunächst wird dafür der Erdboden rings um den Ballen frei gebaggert. Dann hebt ein Radlader die Kiefer heraus. Mit einem groben Drahtgeflecht, ähnlich einem Maschendraht, und einem Jutegewebe wird der Wurzelballen verpackt. In der Waagerechten werden noch die Äste gebündelt, damit der Baum gut und sicher transportiert werden kann.

Mit Begleitfahrzeugen über Österreich zum Ziel

Am späten Dienstagabend soll es dann auf die Reise gehen. Gesichert von der Polizei und zwei Begleitfahrzeugen fährt der Schwertransport zunächst zur Autobahn, erzählt Bonk. Von dort aus geht es mit den Begleitfahrzeugen quer durch Deutschland, wohl über Österreich in die Schweiz. In dem Baum-Museum wird die Kiefer wieder eingepflanzt - und kann dann ganz in Ruhe alt werden. Bis zu 180 Jahre wird eine Kiefer, erklärt Bonk. Bleiben ihr also noch 100. Wobei der aufregendste Teil ihres Lebens mit der Reise in die Schweiz vermutlich vorbei ist.

 

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Hallo Niedersachsen | 01.12.2021 | 19:30 Uhr

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