Stand: 17.10.2017 11:31 Uhr

Masterplan Ems: Planer setzen aufs Sperrwerk

Ein Millionenprojekt des Masterplans Ems wird vorerst gestoppt: Das im ostfriesischen Vellage (Landkreis Leer) geplante Tidespeicherbecken wird nicht gebaut. Das gab das Amt für Regionale Landesentwicklung in Oldenburg am Montag bekannt. Das acht bis zehn Millionen Euro teure Pilotprojekt werde bis auf Weiteres ausgesetzt, da es Zweifel am Verhältnis von Aufwand und Ergebnis dieser Baumaßnahme gebe, teilte die Behörde mit.

Alter Emsarm hätte ausgebaggert werden sollen

Für das Becken war eigentlich ein Testbetrieb von zwei Jahren geplant. Bei Flut hätte ein Teil der Tide in dem Becken gespeichert werden sollen. Bei einsetzender Ebbe wäre es zurückgeflossen und hätte den Fluss beschleunigt. So hätte der Verschlickung des Flusses entgegengewirkt werden können, so die Hoffnung der Planer. Um dieses Modell zu überprüfen, hätte der Speicher bei Vellage zwischen Weener und Papenburg angelegt werden sollen. Dafür wäre ein alter Emsarm ausgebaggert worden. Die Planer favorisieren nun jedoch eine andere Lösung, die das Tidespeicherbecken überflüssig machen könnte.

Verbessert die flexible Tidensteuerung das Wasser?

Bereits im vergangenen Monat hatte sich der Lenkungskreis Masterplan Ems für diese andere Möglichkeit zur Verbesserung der Wasserqualität entschieden - und die heißt flexible Tidesteuerung. Kernidee: Am Emssperrwerk bei Gandersum (Landkreis Leer) wird die Sohlschwelle des Flusses verstärkt. Durch die Anhebung des Wasserniveaus soll bei Flut weniger Wasser einströmen - und damit weniger Schlick. 30 bis 40 Millionen Euro soll die Anhebung der Schwelle kosten. Die Tore des Sperrwerks sollen dann ab 2020 zwei Mal am Tag geschlossen werden. Dadurch, so hoffen die Planer, gelangt weniger Schlick in den Fluss. Das Sperrwerk als Schlickbremse.

Speicherbecken nur mögliche Ergänzung

Speicherbecken wie das ursprünglich in Vellage geplante sollen nun nur noch als mögliche Ergänzung untersucht werden. Wo sie liegen und wie groß sie sein könnten, hänge davon ab, inwieweit sich die Wasserqualität durch die flexible Tidensteuerung verbessere, so der Lenkungskreis. Statt des Beckens soll nun ein dauerhafter Polder für flusstypische Lebensräume oberhalb von Papenburg geschaffen werden. Wo genau, das wird derzeit geplant.

Umdenken bei Tidepolder in Stapelmoor

Auch die Pläne für den Tidepolder in Stapelmoor bei Weener, durch den ebenfalls flusstypische Lebensräume geschaffen werden sollen, haben sich geändert. Statt wie geplant mit Salz- soll er nun mit Süßwasser gespeist werden und zunächst keinen Zugang zur Ems bekommen. Das hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) empfohlen. Der Grund: Die chemische Belastung der Ems mit Salz und anderen Stoffen ist zu hoch, heißt es in einer NLWKN-Studie. Es bestehe eine direkte Verbindung zum Grundwasser, aus dem im Wasserwerk Weener Trinkwasser gewonnen wird. Wenn sich die Wasserqualität des Flusses verbessert, könne der Polder jedoch für die Tide geöffnet werden, hieß es vom Lenkungskreis Masterplan Ems.

Schlechter ökologischer Zustand der Ems

Mit dem im März 2015 in Kraft getretenen Masterplan Ems soll der ökologische Zustand des Flusses verbessert und die Ems gleichzeitig eine leistungsfähige Wasserstraße bleiben. Die Wasserqualität leidet unter anderem an der Belastung durch den Schiffsverkehr sowie die Ausbaggerungen, die nötig waren, damit die immer größeren Schiffe der Meyer Werft in Papenburg den Fluss passieren können. Konkret: Durch den Schlick ist das Wasser getrübt und mit vielen Schwebstoffen belastet. Das führt zu einem geringen Sauerstoffgehalt im Wasser, im Sommer fehlt er teilweise komplett. Durch eine Erhöhung des Sauerstoffgehalts könnte die Ems wieder ganzjährig ein Lebensraum für Fische werden. Unterzeichnet ist der Vertrag von Naturschutzverbänden, Landkreisen, Land und Bund sowie der Meyer Werft. Wenn die Verbesserung der Wasserqualität nicht gelingt, drohen Millionenstrafen der EU.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 22.09.2017 | 08:30 Uhr

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