Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Energieversorger EWE. © NDR

Kinderschützer fordern Staatsanwalt zum Rücktritt auf

Stand: 23.10.2020 19:30 Uhr

In einem Prozess vor dem Landgericht Oldenburg hat ein Staatsanwalt das Schlagen von Kindern als vertretbar relativiert. Der Kinderschutzbund fordert den Juristen zum Rücktritt auf.

Der Mann solle seinen Stuhl als Staatsanwalt verlassen und nach Hause gehen, sagt der Vorsitzende des Niedersächsischen Kinderschutzbundes, Johannes Schmidt. Das Schlagen von Kinder unter Strafe zu stellen sei eine der größten Errungenschaften - das infrage zu stellen, passe nicht zu einem Gesetzeshüter. Der Kinderschutzbund prüfe jetzt juristische Schritte.

Alte Diskussion neu belebt?

Schmidt vermutet hinter den Worten des Staatsanwaltes Kalkül. Denn fast auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde es in Deutschland gesetzlich verboten, Kinder zu schlagen. Offenbar wolle der Staatsanwalt eine alte Diskussion wieder beleben, sagt Schmidt. Schon lange habe es keine juristischen Diskussionen über das Schlagen von Kindern mehr gegeben. Aber immer noch sei das ein Thema in der Bevölkerung, denn nur 60 Prozent lehnten Gewalt als Mittel in der Erziehung ab, so Schmidt.

Tochter hatte Angeklagten angezeigt

In dem Verfahren hatte der Staatsanwalt unter anderem aus der Bibel die Worte "Wer sein Kind liebt, der züchtige es" zitiert. Die Vorsitzende Richterin sei ob der Aussagen fassungslos gewesen, berichteten Prozessbeobachter. Der angeklagte Vater hatte zuvor seine Taten zugegeben und damit begründet, dass er von seinen Kindern provoziert worden sei. Seine älteste Tochter hatte ihn angezeigt, nachdem er wieder einmal auf ihre jüngeren Geschwister losgegangen sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.10.2020 | 12:00 Uhr

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