Stand: 22.11.2018 12:35 Uhr

Integrationsarbeit endet - Polizei ist alarmiert

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Die Zahl der Straftaten in Delmenhorst hat sich in den vergangenen 25 Jahren fast halbiert. (Archivbild)

Delmenhorst ist eine Stadt mit vergleichsweise vielen Migranten. Mehr als 12.000 Ausländer waren im vergangenen Jahr in der rund 82.000 Einwohner zählenden Stadt gemeldet. Integrationsangebote sind in Delmenhorst besonders gefragt. Zwei Projekte stehen nun allerdings auf der Kippe, hauptsächlich weil das Geld fehlt. Der Polizeichef in Delmenhorst, Jörn Stilke, schlägt Alarm. Es sei riskant und gefährlich für das Zusammenleben in Delmenhorst, wenn Integrationsangebote gestrichen würden. Wenn Integration nicht gelinge, sei die Polizei die erste, die es bemerke, so Stilke.

Kriminalstatistik: Zahl der Straftaten ist rückläufig

Stilke ist überzeugt davon, dass sich die verschiedenen Integrationsprojekte positiv auf die Kriminalitätsstatistik ausgewirkt haben. Als Beleg vergleicht er die Zahl der Straftaten aus dem Jahr 1993 mit denen aus dem Jahr 2017 - drei Jahre nachdem zahlreiche Geflüchtete nach Deutschland kamen. Rund 11.000 Straftaten registrierte die Polizei vor 25 Jahren in Delmenhorst, im vergangenen Jahr waren es 6.100. Der Anteil nichtdeutscher Täter sei von 2014 bis 2017 zwar gestiegen, für 2018 prognostiziert Stilke aber einen Rückgang. Zudem liege die Zahl der Asylbewerber unter den Tätern unterhalb des Landesdurchschnitts. Für Stilke ist klar, dass an dieser Stelle die Integrationsarbeit in Delmenhorst Früchte getragen hat.

Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz

Die Integrationsprojekte kümmern sich zum Beispiel um osteuropäische Arbeiter im Problemviertel Wollepark oder helfen jungen Flüchtlingen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Doch zwei zum Teil aus Bundes- und EU-Mitteln finanzierte Projekte laufen aus. Außerdem bekommt die Stadt weniger Geld aus dem Integrationsfonds des Landes. Das reiße eine Lücke, die die Stadt aus finanziellen Gründen nicht ausgleichen könne, sagte der Delmenhorster Fachbereichsleiter für Soziales, Rudolf Mattern.

Polizeichef will Diskussion über Wert von Integrationsarbeit

Stilke will eigenen Angaben zufolge mit seiner Kritik nicht einer politischen Ebene die Schuld zuschieben. Stattdessen hoffe er auf eine gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wichtig Integrationsarbeit sei - auch für die Polizei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.11.2018 | 12:00 Uhr

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