Zwei ältere Damen gehen vor dem Impfzentrum Landkreis Friesland entlang. © Picture Alliance Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Impfskandal in Schortens: Mehr als 10.000 Betroffene

Stand: 13.08.2021 16:40 Uhr

Der Landkreis Friesland hat die Zahl der vom Impfskandal betroffenen Personen am Freitag nach oben korrigiert. Demnach sollen sich nun 10.186 Menschen nachimpfen lassen.

Es besteht die Möglichkeit, dass sie aufgrund von Manipulation der Spritzen durch eine 40 Jahre alte Krankenschwester keinen vollständigen Impfschutz haben. Am Dienstag war man noch von 8.557 potenziellen Fällen ausgegangen. Die weiteren Verdachtsfälle seien durch die Prüfung der Dienstzeiten der beschuldigten Krankenschwester bekannt geworden, erklärte Landrat Sven Ambrosy (SPD). Ein Abgleich der bislang aus dem Dienstplan bekannten Zeiten mit den tatsächlichen Arbeitszeiten der Frau ergab demnach, dass sie noch zusätzliche Dienste übernommen hatte.

Ermittlungen bislang nur in sechs Fällen

Die betroffenen Personen würden per Post informiert, hieß es. Konkret ermittelt werde in sechs Fällen, die die Frau zugegeben habe, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Dass weit mehr als sechs Impfwillige betroffen sein könnten, hatte sich den Ermittelnden zufolge aus Zeugenaussagen ergeben. Wie viele Personen tatsächlich Kochsalzlösung anstelle von Impfstoff erhalten haben, ist unbekannt.

Eigenen Impfpass gefälscht?

Die Behörden gehen inzwischen von einer politisch motivierten Tat aus. Die Krankenschwester soll nach Informationen von NDR Niedersachsen ihren Impfpass gefälscht haben. Ihr Anwalt wies gegenüber dem NDR den Vorwurf zurück, dass seine Mandantin eine Impfgegnerin sei. Es gehöre zur Meinungsfreiheit, in sozialen Medien - wie die Frau es getan hat - kritische Kommentare zu Corona-Maßnahmen zu teilen.

Anwalt widerspricht Ermittelnden

Der Anwalt widerspricht auch in Bezug auf den angenommenen Umfang der Impf-Manipulation. Die Krankenschwester habe Impfwilligen keineswegs nur Kochsalzlösung verabreicht. Sie habe lediglich versucht, verschütteten Impfstoff mit Resten aus anderen Ampullen auszugleichen. Dabei sei es bei den bekannten sechs Vorfällen geblieben, so der Anwalt. Diese Aussage sei jedoch von den Behörden bisher nie erwähnt worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte, "dass das in der ersten Vernehmung tatsächlich angeklungen ist".

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Mehr als 5.000 Personen für erneute Impfung angemeldet

Betroffen sind vorwiegend Menschen über 70 Jahren, die zwischen dem 5. März und 24. April das Impfzentrum in Schortens besucht haben. Darüber hinaus seien in diesem Zeitraum Mitarbeitende von Hospizen und mobilen Pflegediensten, Erzieherinnen und Erzieher sowie Ärztinnen und Ärzte geimpft worden. Bis Freitag haben sich laut Landkreis mehr als 5.000 Betroffene für eine Nachhol-Impfung angemeldet. Mehrere Tausend Menschen hätten die Info-Hotline (0800) 0 00 51 60 angerufen. Auf der Homepage des Landkreises ist zudem eine FAQ-Info-Seite zu finden.

Mögliche Covid-Fälle nach Impfterminen nicht bekannt

Ob sich vermeintlich geimpfte Menschen nach einer Injektion mit Kochsalzlösung mit dem Coronavirus infiziert haben, ist unklar. "Das sind Meldedaten, die hier nicht übereinandergelegt werden - auch aus Datenschutzgründen", erklärte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Die Behörden raten dringend dazu, sich impfen zu lassen. "Eine Wiederholungs-Impfung ist selbst dann anzuraten und unproblematisch, wenn die Impfung erfolgreich war", sagte die stellvertretende Corona-Krisenstabsleiterin Claudia Schröder. Sie sei völlig unschädlich. "Und daher ist das jetzt das Mittel der Wahl."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 13.08.2021 | 15:00 Uhr

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