Die Insel Spiekeroog aus der Luft. © Picture Alliance Foto: Sina Schuldt

Hoteliers auf Inseln kritisieren Beherbergungsverbot

Stand: 13.10.2020 08:17 Uhr

Hoteliers auf den Ostfriesischen Inseln kritisieren das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten. Der Hotel- und Gaststättenverband unterstützt eine Klage gegen das Verbot.

Durch das Verbot würden Übernachtungen in Niedersachsen faktisch zunichte gemacht, kritisiert der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Niedersachsen, Rainer Balke. Er spricht von einem "Quasi-Shutdown" durch das Beherbergungsverbot, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Der Verbandschef hofft, dass das Oberverwaltungsgericht Lüneburg das Verbot spätestens Ende der Woche kippen wird.

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Die "Niedersächsische Verordnung über Beherbergungsverbote zur Eindämmung des Corona-Virus SARS-CoV-2" zum Download. Download (12 KB)

Morgens buchen, mittags stornieren

Kritik kommt auch von Spiekeroogs Inselbürgermeister Matthias Piszczan (CDU). Es sei eine Katastrophe, alles erst kurzfristig regeln zu können, sagte er mit Blick auf die Hoteliers und Ferienhausbesitzer. Grund ist die Vorgehensweise: Das Land veröffentlicht derzeit täglich auf seiner Internetseite eine Liste neuer Risikogebiete, nach der sich die Hoteliers und Ferienhauseigentümer richten müssen. Für Probleme sorgt, dass die Liste erst in den Mittagsstunden veröffentlicht wird. Wer morgens bucht, könnte am Mittag wieder stornieren müssen, wenn die Region als Risikogebiet eingestuft wurde. Das werfe sowohl bei den Gästen als auch bei den Hoteliers viele Fragen auf - zum Beispiel wer die entstandenen Stornogebühren zahlen muss.

Absagen, aber kein wirtschaftlicher Schaden

Auch die Inselgemeinden Borkum, Norderney und Langeoog klagen über den hohen organisatorischen Aufwand, der durch das Beherbergungsverbot von Urlaubern aus Corona-Risikogebieten entstanden ist. Bereits am vergangenen Wochenende - an dem das Beherbergungsverbot in Kraft trat - habe es ein "mächtiges Durcheinander" gegeben, sagte Spiekeroogs Inselbürgermeister Piszczan. Einen wirtschaftlichen Schaden würden die spontanen Absagen im Endeffekt allerdings nicht verursachen. Die Wartelisten für ein Zimmer oder eine Ferienwohnung seien oftmals sehr lang, so Piszczan. Das stellt sich ähnlich auch auf anderen Inseln dar. Viele Zimmer könnten direkt neu gebucht werden, sagte auch Baltrums Bürgermeister Harm Olchers (parteilos). Einige Inseln haben eigenen Angaben zufolge in diesen Herbstferien so viele Gäste wie nie zuvor.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 13.10.2020 | 08:00 Uhr

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