Stand: 01.04.2017 19:30 Uhr

"Höchste Eisenbahn": Museumsdorf würdigt Jubiläum

von Oliver Gressieker

Im Museumsdorf Cloppenburg werden in diesen Tagen Dutzende Meter Gleise verlegt. Grund für die ungewöhnlichen Arbeiten ist nicht etwa die Anbindung des Freilichtmuseums an das Schienennetz, sondern eine Sonderausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Oldenburg und Umgebung. Ab dem 2. April beleuchtet das Museumsdorf gemeinsam mit dem Stadtmuseum Oldenburg unter dem Motto "Höchste Eisenbahn" die Entwicklung der Eisenbahn in der Region, die schnell zu einer großen Erfolgsgeschichte wurde. Während sich das Stadtmuseum auf die urbanen Aspekte konzentriert, liegt der Fokus des Museumsdorfes auf den ländlichen Regionen.

Motor für das Oldenburg Wirtschaftswunder

"Wir wollen die enorme Bedeutung der Eisenbahn für die Wirtschaft und die Menschen im Oldenburger Land zeigen", sagt der Kurator des Museumsdorfs, Florian Nikolaus Reiß, im Gespräch mit NDR.de. "Es hat selten einen Einschnitt gegeben, der bei der Entwicklung der Region eine dermaßen große Rolle gespielt hat." Durch die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecken ab dem Jahr 1867 hätten die bis dato armen Bauern plötzlich deutlich bessere  Möglichkeiten gehabt, ihre Produkte zu vermarkten. "Das Herzogtum Oldenburg wurde innerhalb kurzer Zeit zum Hauptlieferanten für die wachsenden Industriestandorte im Ruhrgebiet", so Reiß. "Letztendlich war die Eisenbahn für das Oldenburger Wirtschaftswunder verantwortlich."

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150 Jahre Geschichte am Bahnsteig erleben

Im Museumsdorf Cloppenburg ist ab dem 2. April die Ausstellung "Höchste Eisenbahn - 150 Jahre Eisenbahn in Oldenburg" zu sehen. Für die Schau wurden sogar 40 Meter Gleise verlegt. Bildergalerie

Bahnsteig als Zeitachse

Zentrales Element der Ausstellung ist ein 40 Meter langer Bahnsteig, der als Zeitachse dient. Auf der einen Seite befinden sich die Gleise und große Fotos aus den markanten Epochen, auf der anderen sind mehrere Räume, in denen verschiedenen Themen anhand von historischen Objekten vertieft werden. "Die Besucher werden entlang des Bahnsteigs durch alle wichtigen Abschnitte der Oldenburger Eisenbahngeschichte geführt", erläutert Reiß.

Umstrittenes Projekt wurde zur Erfolgsgeschichte

An der ersten Station werden die Diskussionen um die geplante Eisenbahn und der letztlich beschlossene Bau dokumentiert. "Die Entscheidung dafür war äußerst umstritten, denn es gab große Zweifel, ob es sich lohnen würde, die knappen Gelder in ein Eisenbahnprojekt zu investieren", so Reiß. Bis 1878 wurden zunächst die Hauptstrecken Richtung Bremen, Heppens (das spätere Wilhelmshaven), Osnabrück und Leer gebaut, die das Herzogtum Oldenburg mit den angrenzenden Nachbarländern verbanden. Danach folgten das sogenannte Nebenbahnnetz und die Kleinbahnen, so dass innerhalb kurzer Zeit auch zahlreiche kleinere Orte mit der Bahn zu erreichen waren.

Geschäftsleute und Tourismus profitieren

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An diesem Bahnhof an der sogenannten Landesgrenze endeten die aus Cloppenburg kommenden Züge.

Im zweiten Themenraum werden zwei der Nebenstrecken - die Butjadinger Bahn zwischen Nordenham und Eckwarderhörne (Landkreis Wesermarsch) sowie der Pingel-Anton zwischen Cloppenburg und der damaligen Landesgrenze - vorgestellt. "Wir nehmen bei der Betrachtung die Perspektive der dort lebenden Menschen ein", so Reiß. Eine Station weiter wird gezeigt, wie die Oldenburger Landwirtschaft in ihrer Blütezeit bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs von der Eisenbahn profitierte. Dank der neuen Strecken konnten Dünger und Viehfutter importiert und so die Agrarproduktion deutlich gesteigert werden. Auch der Tourismus gewann zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Urlauber reisten jetzt mit dem Zug an die Küste und auf die Insel Wangerooge.

Gedenken an Rolle der Bahn im Zweiten Weltkrieg

Eine wichtige Rolle in der Geschichte der Bahn spielen auch die Kriegsjahre. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) in die Reichsbahn über. An deren Rolle im Zweiten Weltkrieg erinnert die Ausstellung mit einem Gedächtnisraum. "Man darf nicht vergessen, dass damals sowohl Soldaten als auch Deportierte in die Züge steigen mussten", betont Kurator Reiß.

Autos werden zur Konkurrenz

Der letzte Abschnitt am hinteren Ende des Bahnsteigs beschäftigt sich mit der Entwicklung nach 1945. Neben der Ankunft von Zigtausenden Flüchtlingen werden auch die sogenannten Hamsterfahrten thematisiert. Viele Menschen aus den Städten fuhren damals in überfüllten Zügen aufs Land, um Wertgegenstände gegen Lebensmittel einzutauschen. In den folgenden Jahren begann der Siegeszug des Autos, dem einige Bahnstrecken und -bauten zum Opfer fielen. Beispielhaft gezeigt wird das am Abriss des Bahnhofsgebäudes in Hude (Landkreis Oldenburg), für dessen Erhalt in den 1980er-Jahren zahlreiche Bürger vergeblich kämpften.

Nordwestbahn betreibt heutige Strecken

Die Ausstellung endet mit einem Blick auf das heutige Bahnnetz im ehemaligen Herzogtum Oldenburg. Die Strecken werden mittlerweile vor allem von der Nordwestbahn betrieben. "Wir wollen zeigen, dass das Auto die Eisenbahn nicht komplett ersetzen kann und die Zugverbindungen auch heute nach 150 Jahren noch eine ganz wichtige Bedeutung für die ländlichen Regionen haben", so Reiß.

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"Höchste Eisenbahn": Museumsdorf würdigt Jubiläum

Seit 150 Jahren gibt es in der Region Oldenburg Eisenbahnverkehr. Das Museumsdorf Cloppenburg und das Stadtmuseum Oldenburg widmen diesem besonderen Jubiläum eine Ausstellung.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museumsdorf Cloppenburg
Bether Str. 6
49661  Cloppenburg
Telefon:
(04471) 9484-0
E-Mail:
info@museumsdorf.de
Preis:
Erwachsene: 7,50 Euro, Kinder von 6 bis 16 Jahre: 2,50 Euro
Öffnungszeiten:
März bis Oktober: täglich 9 - 18 Uhr
November - Februar: täglich 9 - 16.30 Uhr
Hinweis:
Die parallel laufende Ausstellung im Oldenburger Stadtmusem endet bereits am 3. September. Infos hierzu finden Sie unter www.stadtmusem-oldenburg.de.
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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.04.2017 | 19:30 Uhr

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