Ein VW-Auto parkt vor einem VW-Gebäude. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Halbleiter-Mangel: VW will eigene Verträge mit Herstellern

Stand: 02.02.2021 17:25 Uhr

Als Weg aus dem weltweiten Halbleiter-Mangel will Volkswagen die Versorgung künftig durch direkte Absprachen mit den Herstellern absichern. Bisher laufen die Kontakte über Bosch und Continental.

"Wir denken darüber nach, direkte vertragliche Beziehungen einzugehen", sagte ein Einkaufsmanager des Wolfsburger Autobauers. Bisher bezieht VW Teile bei Bosch und Continental, die wiederum von Halbleiterherstellern beliefert werden. Die Industrie werde aufgrund der Bedeutung von Halbleitern in den heutigen Fahrzeugen reagieren müssen, hieß es nun bei VW.

Gespräche geplant

Laut Volkswagen soll es nun Gespräche mit allen an der Lieferkette Beteiligten geben. "Wir müssen sicherstellen, dass auch die Wafer- und die Halbleiterhersteller unsere Bedarfe kennen", heißt es. Auch die Bevorratung von Halbleitern ist den Angaben zufolge möglich. Bosch und Continental wollten sich bisher nicht zu den Plänen äußern. Direkte Kontakte zu Lieferanten sind in der Branche bisher eher die Ausnahme.

Mangel an Halbleitern sorgt für Kurzarbeit

Hintergrund sind die Engpässe bei den Bauteilen für Computerchips: Weil wegen der Corona-Krise im Frühjahr 2020 weniger Autos produziert wurden, brauchten die Autohersteller auch weniger Halbleiter. In diese Nische drängten daraufhin Computer- und Handyhersteller vor, die den Markt angesichts der in der Krise boomenden Unterhaltungsindustrie leer kauften. Bereits im Dezember hatte Volkswagen angekündigt, die Produktion an Standorten in China, Nordamerika und Europa im ersten Quartal 2021 zu drosseln. Wegen des Mangel an Halbleitern sind unter anderem im VW-Werk Wolfsburg aktuell rund 8.000 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Die Produktion im Passat-Werk in Emden läuft inzwischen wieder.

Aufholprogramm im Sommer?

Volkswagen rechnet damit, dass die Versorgung mit Chips bis Ende des ersten Quartals angespannt bleibt. Erst in der zweiten Jahreshälfte kann voraussichtlich die Produktion der die bis dahin nicht gebauten Fahrzeuge aufgeholt werden. Dazu soll in Abstimmung mit dem Betriebsrat ein Aufholprogramm gestartet werden, heißt es aus Wolfsburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2021 | 15:00 Uhr

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