Stand: 08.04.2019 16:15 Uhr

"Gorch Fock": Von der Leyen falsch informiert?

Beamte des Verteidigungsministeriums haben offenbar früher als bisher bekannt Zweifel an der Elsflether Werft geäußert, die mit dem Sanieren der "Gorch Fock" beauftragt ist. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben Ministeriums-Mitarbeiter bereits im Januar 2018 vorgeschlagen, das Instandsetzen des Segelschulschiffs zu stoppen. Die Zeitung beruft sich auf einen internen Bericht des Ministeriums.

Abbruch der Instandsetzung

Demnach sei damals die "Leistungsfähigkeit des Auftragnehmers Elsflether Werft" in Zweifel gezogen worden. "Der Auftragnehmer ist mit der Dimension bereits jetzt überfordert", so der Bericht. Vorgeschlagen wurde der "Abbruch der Instandsetzung". Ministerin Ursula von der Leyen habe davon jedoch offenbar keine Kenntnis bekommen. In dem endgültigen Papier, das der Ministerin vorgelegt wurde, seien die Zweifel" an der Werft "nicht mehr enthalten" gewesen.

Arbeitsfortschritt hinter Erwartung

Von der Leyen entschied sich im März also für eine Fortführung der Sanierung - trotz Kostenexplosion auf bis zu 135 Millionen Euro. Anfänglich war man von geschätzten zehn Millionen Euro ausgegangen. Nach einem Korruptionsverdacht gegen einen Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven stellte die Ministerin die Zahlungen für die Instandsetzung im Dezember 2018 ein. Nach der Entlassung der Firmenleitung meldete die Werft im Februar Insolvenz an. Im März kündigte von der Leyen an, den Zahlungsstopp aufzuheben, die Arbeiten gingen weiter. Am Wochenende wurde nun bekannt, dass der Arbeitsfortschritt an Bord des Segelschulschiffes deutlich hinter dem erwarteten Stand zurückliegt. Ob die "Gorch Fock" wie geplant bis zum Sommer wieder schwimmfähig gemacht werden kann, ist ungewiss. Der Zahlungsstopp ist nun dennoch auch offiziell aufgehoben worden, wie am Montag bekannt wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.04.2019 | 15:00 Uhr

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