Stand: 26.11.2018 20:25 Uhr

Gibt es NS-Raubgut im Museumsdorf Cloppenburg?

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Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde die Herkunft des Inventars überprüft.

In einem dreijährigen Forschungsprojekt hat das Museumdorf Cloppenburg untersucht, ob in den Beständen Raubgut aus dem Dritten Reich zu finden ist. Entsprechende Gerüchte hatte es immer wieder mal gegeben, da das Freilichtmuseum 1936 vom NSDAP-Mitglied Heinrich Ottenjann mit Unterstützung der Nationalsozialisten gegründet wurde. Wie das Museum am Montag bekannt gab, wurden bei der Überprüfung keine direkten Hinweise auf jüdische Eigentümer gefunden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass über Antiquitätenhändler sogenanntes Hollandgut ins Museum gelangte.

Besitzt das Museumsdorf Cloppenburg NS-Raubgut?

NS-Raubgut im Museumsdorf Cloppenburg?

Hallo Niedersachsen -

Das Museumsdorf Cloppenburg wurde 1936 gegründet. Mit einem Forschungsprojekt hat es nun seine Vergangenheit aufgearbeitet - und untersucht, ob sich im Inventar Raubgut befindet.

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Verdacht auf "Hollandgut" liegt nahe

Bis 1945 kamen etwa 9.500 Sammlungsstücke nach Cloppenburg. Projektleiterin Christina Hemken prüfte im Auftrag des Museumsdorfes Zigtausende Korrespondenzen, Rechnungen und Quittungen sowie Inventarlisten und Tagebücher. Obwohl sie keinen direkten Hinweis auf nationalsozialistisches Raubgut fand, vermutet sie, dass Hausrat von vertriebenen Juden aus den besetzten Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich - auch "Hollandgut" genannt - den Weg ins Museumsdorf fand. "Ich habe hier von 1945 allein 450 Objekte, von denen wir nur die Titelnummer haben und sonst gar nichts wissen", sagte Hemken. "Das ist erstaunlich, weil der damalige Museumsleiter alles ganz systematisch aufgenommen hat. Sogar bei relativ wertvollen Möbeln und Gewehren wurden keinerlei Informationen dazugeschrieben. Da wird man hellhörig."

Aussage von Museumsgründer zweifelhaft

Museumsgründer Ottenjann hatte nach Kriegsende behauptet, lediglich eine Kommode und eine Standuhr aus jüdischem Bestand erworben zu haben. Die aber seien verbrannt. Die jetzt abgeschlossene Forschung lässt vermuten, dass die Realität eine andere war. Endgültige Klarheit wird es wohl nie geben, aber die Forschungsarbeit hat laut Hemken einen positiven Nebeneffekt: Viele Menschen, die sich damit beschäftigen, würden bewusster über NS-Raubgut und das damit verbundene Unrecht nachdenken.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 26.11.2018 | 19:30 Uhr

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