Stand: 21.07.2020 16:00 Uhr

Gewerkschaft kritisiert Unterkünfte bei Wiesenhof

Die Luftaufnahme zeigt den Wiesenhof-Hähnchenschlachthof im niedersächsischen Lohne, in dem 66 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Mehr Pausenräume, mehr Kontrollpersonal und getrennte Schichten: So soll der Corona-Ausbruch in Lohne eingedämmt werden.

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in einem Hähnchenschlachthof des Wiesenhof-Konzerns in Lohne (Landkreis Vechta) kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) den Betrieb heftig. Matthias Brümmer, Geschäftsführer der NGG Oldenburg/Ostfriesland, sprach in einem Interview mit dem "Weser Kurier" von desaströsen Wohnbedingungen für die Wiesenhof-Arbeiter. "Uns liegen die Mietverträge vor. Das ist nicht menschenwürdig", sagte Brümmer. Vielfach gebe es keinen eigenen Wohnraum für die Arbeiter, sondern eine Matratze in einem Mehrbettzimmer. "Wenn Hühner so zusammengepfercht untergebracht wären wie die Menschen in der Fleischindustrie, gäbe es Probleme mit dem Tierschutz. Doch der Schutz der Arbeiter zählt nicht", so Brümmer. Er forderte vom Landkreis entschiedeneres Handeln.

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Pfarrer Kossen: "Moderne Sklaverei"

Zuvor hatte der katholische Pfarrer Peter Kossen, der sich seit Jahren für die Interessen der Arbeiter in der Fleischindustrie einsetzt, scharfe Kritik geäußert. Kossen warnte vor "moderner Sklaverei" in den Fleischfabriken. Von Ankündigungen großer Fleischkonzerne, Werkvertragsarbeiter fest anstellen zu wollen, dürfe sich der Gesetzgeber nicht täuschen lassen, sagte der Pfarrer aus Lengerich (Landkreis Steinfurt) am Sonntag. "Solange die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitsmigranten nicht substanziell verbessert werden, ist kein Ende in Sicht", so Kossen. Er fordert einen Systemwechsel. "Die Abkehr von diesem kranken System ist längst überfällig."

Infizierte leben in vier Landkreisen und Delmenhorst

Bei dem Ausbruch bei Wiesenhof haben sich mindestens 66 Arbeiter mit Covid-19 angesteckt. Seit dem Wochenende gibt es bislang keine neuen Fälle. Der Landkreis ermittelt weiterhin Kontaktpersonen der Infizierten. Man gehe davon aus, dass sich ein großer Teil der Kontakte aus dem persönlichen Umfeld inzwischen in Quarantäne befinde. Der Landkreis gab an, dass die Infizierten in den Landkreisen Vechta (35), Diepholz (27), Osnabrück (2), Cloppenburg (1) sowie in Delmenhorst (1) gemeldet sind. Im Landkreis Vechta leben damit insgesamt 67 infizierte Personen, für die mit weiteren 90 engen Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet wurde. Mitte der Woche solle es neue Reihentestungen unter den Schlachthof-Mitarbeitern geben, sagte ein Landkreissprecher.

Landkreis beobachtet Lage aufmerksam

Herbert Winkel (CDU), Landrat des Landkreises Vechta, sitzt bei der Pressekonferenz wegen des Corona-Ausbruchs bei Wiesenhof-Hähnchenschlachthof im niedersächsischen Lohne. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Vechtas Landrat Herbert Winkel will den Wiesenhof-Schlachtbetrieb vorerst nicht schließen.

Landrat Herbert Winkel (CDU) hatte am Sonntag gesagt, dass der Landkreis die Situation aufmerksam beobachte. Sollte die Marke von 50 Neuinfektionen überschritten werden, würden Konsequenzen gezogen. Die Kreisverwaltung werde dann nach Möglichkeit versuchen, lokale Infektionsherde auch lokal einzugrenzen. Eine konsequente Schließung sei laut Landrat Winkel nicht geplant. Es handele sich um eine Ermessensfrage, sagte er.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.07.2020 | 08:00 Uhr

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