Stand: 10.09.2018 21:57 Uhr

Gericht stellt Schauplatz von Högel-Prozess vor

In Oldenburg sind die Vorbereitungen zum bundesweit größten Mordprozess in der Nachkriegszeit angelaufen. Ab dem 30. Oktober muss sich der bereits verurteilte frühere Krankenpfleger Niels Högel vor der 5. Strafkammer des Oldenburger Landgerichts für mutmaßlich 97 weitere Morde an Patienten in Oldenburg und Delmenhorst verantworten, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann am Montag. Weil zu dem Verfahren 120 Nebenkläger zugelassen worden sind, wurde der Prozess in die Oldenburger Weser-Ems-Halle verlegt. Am Montag wurden den Nebenklägern und der Presse die Räumlichkeiten vorgestellt.

Der Haupteingang der Weser-Ems-Halle in Oldenburg. © NDR

Högel-Prozess: Gericht informiert über Prozedere

Niedersachsen 18.00 -

Ab Ende Oktober sitzt der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel auf der Anklagebank. Er muss sich für weitere 100 Morde verantworten. 120 Nebenkläger treten bei dem Mammut-Prozess auf.

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Högel sitzt bereits wegen sechs Todesfällen

In dem neuen Verfahren geht es um 62 Taten in Delmenhorst und 35 Taten in Oldenburg. Für sechs weitere Taten verbüßt Högel bereits eine lebenslange Haftstrafe. Wegen der Schwere der Taten darf er nicht nach 15 Jahren entlassen werden. Zwischen 2000 und 2005 hatte der damalige Krankenpfleger Patienten Medikamente gespritzt, um absichtlich lebensbedrohliche Herzprobleme bis hin zum Herzflimmern auszulösen. Bei der anschließenden Reanimation seiner Opfer wollte er als Held erscheinen.

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Richter warnt vor Vorverurteilung

Ziel des Verfahrens sei nicht die Verlängerung der Haftzeit, sagte Bührmann. Anders als etwa in den USA könne nach deutschem Recht ein Angeklagter nur einmal zu lebenslanger Haft verurteilt werden, weil jeder Mensch nur ein Leben habe. Ziel sei es, den Angehörigen Klarheit über das Schicksal der Opfer zu verschaffen. Bis zu seiner Verurteilung habe Högel als unschuldig zu gelten, unterstrich der Vorsitzende Richter. Das Gericht werde in jedem Fall nach der Wahrheit forschen und prüfen, ob Högel für die Todesfälle verantwortlich ist. Ob sich Högel zu den Vorwürfen äußern werde, sei noch unklar, sagte Bührmann.

Weitere Verfahren gegen Klinik-Mitarbeiter

In abgetrennten Verfahren müssen sich außerdem vier Klinik-Mitarbeiter aus Delmenhorst verantworten. Ihnen wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Ihr Verfahren sei verschoben worden, damit Högel als Zeuge aussagen kann. Dazu sei er nur in den Fällen verpflichtet, in denen er selbst rechtskräftig verurteilt worden sei. Andernfalls könne er die Aussage verweigern. Zudem wird auch gegen Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg ermittelt.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 10.09.2018 | 18:00 Uhr

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