Stand: 13.05.2020 17:12 Uhr

"Fataler Preisverfall": Schweinehalter in Not

Bratwürstchen vom Grill. © picture-alliance / Revierfoto Notiz
Ohne Volksfeste und Fußball werden kaum Bratwürste verkauft - die Schweinehalter spüren das deutlich. (Archivbild)

Schweine sind in der gesamten Region Weser-Ems ein starker Wirtschaftsmotor. Doch die Corona-Krise macht den Schweinehaltern schwer zu schaffen. Der Fleischpreis ist seit März von zwei Euro pro Kilogramm auf 1,60 Euro abgesackt. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Dass der Markt schwankt, sei er ja gewohnt, sagt der Mäster und Sauenhalter Sören Meyer aus Lutten im Landkreis Vechta. Der aktuelle Preissturz sei aber ohne Beispiel, meint er: "Man weiß nicht, wie es weitergehen soll oder kann. Das ist ein fataler Preisverfall, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben."

Keine Großveranstaltung - Keine Bratwurst

Die Corona-Pandemie haben die Schweinehalter eben, genauso wie alle anderen Branchen, nicht kommen sehen. "Vor März hatten wir eine gute Zeit", sagt Meyer, "man konnte sich nach zwei schlechten Jahren endlich mal wieder erholen." Nun aber geht es bergab. Der Grund liegt für den Kreisgeschäftsführer des Landvolks Vechta, Friedrich Willms, auf der Hand: der Ausfall großer Veranstaltungen. "Da wird keine Bratwurst, kein Steak gegessen. Schützenfeste, Volksfeste, Fußball, alles ist ausgefallen." Und niemand wisse, wann all dies wieder in gewohntem Rahmen stattfinden könne, "sodass die Leute wieder entsprechend Fleisch verzehren". Dazu komme die Flaute im Tourismus oder auch der stagnierende Export nach Südeuropa.

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Was, wenn Schlachthöfe zumachen?

Sören Meyer hat für das laufende Jahr mit Lieferverträgen teilweise vorgesorgt. Doch was, wenn Schlachtereien wegen Corona nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten können, die Schweine aber abholfertig im Stall stehen? "Das ist definitiv in den nächsten Wochen ein Problem", meint Meyer. "Wir haben nicht alle Schweine in Verträgen. Wenn Schlachthöfe zumachen müssen, bekommen wir vielleicht Verhältnisse wie in den USA." Dort müssten viele Schlachter zu Hause bleiben und es gebe Notschlachtungen.

Lichtblick: Preis momentan stabil

Immerhin kam am Mittwoch eine gute Nachricht vom Interessenverband Deutscher Schweinehalter in Damme: Der Fleischpreis hat nicht weiter nachgegeben. Das scheine ein Zeichen zu sein, dass der Markt wieder etwas Vertrauen zurückgewinne.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 13.05.2020 | 15:30 Uhr

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