Stand: 24.05.2018 15:18 Uhr

Angst um Langeoog - Die Recktenwalds gegen die EU

Michael und Maike Recktenwald sehen ihre Insel und ihre Lebensgrundlage in Gefahr. Mit neuen weiteren Klägern kämpfen sie um schärfere Klimaziele.

Maike Recktenwald lebt auf der Ostfriesischen Insel Langeoog. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie das nach eigenen Angaben einzige Bio-Hotel der Insel. Wer sich die Homepage des Hotels ansieht, sieht Postkartenidyll. Man kann lesen, dass das Hotel "inmitten der Dünen, nur 99 Schritte vom Meer entfernt" liegt. Doch die Recktenwalds sehen diese Idylle gefährdet. Der Klimawandel bedroht ihr Hotel, ihre Insel, ihre Lebensgrundlage, sagen sie. Gemeinsam mit acht weiteren Familien aus Europa, Kenia und von den Fidschi-Inseln und einer Jugendorganisation aus Schweden haben die Recktenwalds deshalb die Europäische Union verklagt. Sie werfen dem Europäischen Parlament und dem Rat vor, durch die bislang gültigen Klimaziele bis 2030 ihre Grundrechte zu verletzen.

Ein Mann geht auf Langeoog spazieren.

Sorge um Langeoog: Familie verklagt EU

Hallo Niedersachsen -

Zehn Familien aus Europa, Kenia und von den Fidschi-Inseln haben die EU verklagt, weil die zu wenig für den Klimaschutz tue - darunter auch die Recktenwalds von der Insel Langeoog.

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Kläger fordern besseren Schutz ihrer Grundrechte

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Vom steigenden Meeresspiegel bedroht: die Strände von Langeoog.

Vor dem Gericht der Europäischen Union fordern die Kläger daher einen besseren Schutz ihrer Grundrechte. "Das Klimaziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 gegenüber 1990 reiche nicht aus, um einen Klimawandel zu verhindern und die Grundrechte der Kläger auf Leben, Gesundheit, Berufsfreiheit und Eigentum zu schützen", heißt es in einer Stellungnahme der Umweltorganistion Germanwatch als Partner der Kläger. Rechtmäßig seien vielmehr 60 Prozent. Die Kläger seien besonders bedroht von Folgen des Klimawandels - von Wassermangel, Überschwemmungen, dem Rückzug von Eis und Schnee, vom steigenden Meeresspiegel, von mehr Stürmen und Hitzewellen.

Schon jetzt Auswirkungen

"Bei dieser Klage geht es nicht nur um unsere Familie und die aktuelle Situation, sondern um die Zukunft aller", so Maike Recktenwald in einem Telefongespräch mit NDR.de. "Wir möchten mit dieser Klage ein Zeichen setzen." Schon jetzt seien sie von den ersten Auswirkungen betroffen: Durch den Anstieg des Meeresspiegels, Sturmfluten und eine Erosion der Dünen fürchten die Recktenwalds um ihr Eigentum und das Grundrecht auf Berufsfreiheit. Auch die Trinkwasserversorgung der Insel sei bedroht. Durch den steigenden Meeresspiegel könnte Salzwasser in die einzige Trinkwasserquelle eindringen und auf Jahrzehnte unbrauchbar machen.

Protect the Planet trägt die Verfahrenskosten

Hinter den Klägern stehen Umweltverbände und Wissenschaftler. Die Anwälte kommen aus Bremen, Hamburg und London. Die deutsche Nichtregierungsorganisation Protect the Planet übernimmt sämtliche Kosten des Gerichtsverfahrens, heißt es in einer Mitteilung. Die Unterstützung für die Familien und ihr Anliegen ist also groß. Groß genug, um Erfolg zu haben? Maike Recktewald sagt, sie glaube an das Gute im Menschen. Glaubte sie nicht daran, dass sich etwas ändert, könnte sie gleich "den Kopf in den Sand stecken." "Ich muss glauben, dass das klappt", sagt sie am Ende des Telefonats. Nun müsse sie wieder an die Arbeit. Hochsaison in der Idylle auf Langeoog.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 24.05.2018 | 17:00 Uhr

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