Stand: 09.03.2017 18:30 Uhr

Fall Niels H.: Klinik suspendiert Mitarbeiter

Nachdem am Mittwoch im Fall Niels H. das Landgericht Oldenburg die Anklage gegen drei leitende Mitarbeiter des ehemaligen Klinikums Delmenhorst zugelassen hat, sind die zwei dort noch tätigen Mitarbeiter vom Dienst suspendiert worden. "Aufgrund des nun bevorstehenden Strafverfahrens und der damit weiter gestiegenen enormen Belastung für die betroffenen Mitarbeiter haben wir uns zu diesem Schritt entschieden", sagte Geschäftsführer Thomas Breidenbach laut einer Pressemitteilung. Die Entscheidung sei keine Vorverurteilung. "Bis zur Klärung der Schuldfrage gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung", so Breidenbach. Am Donnerstag hat die Staatsanwaltschaft zudem Beschwerde beim Landgericht dagegen eingelegt, dass gegen drei weitere ehemalige Kollegen von Niels H. keine Anklage zugelassen wurde.

Auch Ermittlungen gegen Verantwortliche in Oldenburg

Im ehemaligen Klinikum Delmenhorst hatte der Krankenpfleger Niels H. zwischen 2003 und 2005 nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft 37 Tötungsdelikte begangen. Im Februar 2015 war Niels H. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich des zweifachen Mordes, des zweifachen Mordversuchs in Tateinheit mit Körperverletzung sowie gefährlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall schuldig gemacht hat. Längst wird aber in mehr als 200 weiteren Fällen ermittelt, auch für die Zeit am Klinikum Oldenburg, wo Niels H. zuvor tätig war. Gegen dort ehemals Verantwortliche laufen ebenfalls Ermittlungen.

Staatsanwaltschaft: Angeklagte hätten Morde verhindern können

Der Vorwurf gegen die ehemaligen Mitarbeiter in Delmenhorst, zwei damalige Oberärzte und den Leiter der Intensivstation, lautet nun Totschlag durch Unterlassen. Die damaligen Oberärzte sind heute 59 und 67, der Stationsleiter ist 59 Jahre alt. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätten 2005 drei Morde und zwei Mordversuche durch die Angeschuldigten verhindert werden können, obwohl zuvor schon Verdacht bestanden haben soll, dass Niels H. Patienten getötet hatte. Niels H. war zu dieser Zeit noch als Krankenpfleger auf der Intensivstation des Klinikums beschäftigt. Die Anklage geht weiter davon aus, dass die Angeklagten die Taten von Niels H. billigend in Kauf nahmen und aus Angst um die Reputation der Klinik und vor dem Vorwurf der falschen Verdächtigung untätig blieben.

Kein hinreichender Tatverdacht bei drei ehemaligen Kollegen

Kein Verfahren gibt es dagegen gegen drei von der Staatsanwaltschaft ebenfalls angeklagte Krankenpfleger. Bei ihnen bestehe "kein hinreichender Tatverdacht wegen Tötung durch Unterlassen", begründete das Gericht am Mittwoch seine Entscheidung. Das Landgericht argumentierte, die drei Pfleger hätten sich zum Teil aktiv bemüht, Niels H. seine Taten nachzuweisen. Sie seien nicht bereit gewesen, weitere Gefährdungen oder Tötungen von Patienten tatenlos hinzunehmen. Am Donnerstag nun reichte die Staatsanwaltschaft Beschwerde dagegen ein.

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Die "Karriere" eines Serienmörders

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. ist unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Weitere 30 Morde hat er gestanden. Eine Chronologie. (14.02.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.03.2017 | 13:30 Uhr