Stand: 14.04.2019 20:03 Uhr

"Estonia"-Untergang: Prozess gegen Meyer Werft

Einem Bericht zufolge war eine zu schwache Schließvorrichtung an der Bugklappe der Grund für den Untergang der "Estonia". Die Klappe riss bei Wellengang ab und Wasser lief ins Innere. (Archivbild)

25 Jahre nach dem Untergang der Ostseefähre "Estonia" hat im Pariser Vorort Nanterre ein Prozess gegen die Papenburger Meyer Werft begonnen. Mehr als 1.000 Kläger, darunter Überlebende und Angehörige der 852 Opfer, fordern zusammen 40,8 Millionen Euro Schadenersatz. Einem Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 zufolge waren für den Untergang der Fähre Konstruktionsmängel an der Bugklappe verantwortlich. Die Meyer Werft hatte die Fähre gebaut. Die Klage richtet sich auch gegen die französische Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas. Sie hatte die "Estonia" als seetüchtig eingestuft.

Ein Schiffs-Modell steht in einem Glaskasten. © NDR

Meyer Werft wegen "Estonia"-Unglück angeklagt

Hallo Niedersachsen -

25 Jahre nach dem Untergang der Ostseefähre "Estonia" hat in Frankreich ein Prozess um Schadenersatz begonnen. Angeklagt ist die Papenburger Meyer Werft, die die Fähre gebaut hat.

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Langer Gang durch die Instanzen, Schuldfrage nie geklärt

Dass der Prozess erst jetzt begonnen hat, liegt laut einem der Anwälte an dem jahrelangen Gang durch die Instanzen. Endlich werde ein Gericht nun feststellen, "wer für die Nachlässigkeit bei Konzeption und Betrieb des Schiffes verantwortlich" sei, sagte er. Für das Verfahren in Nanterre, wo das Bureau Veritas seinen Sitz hat, sind zwei Tage angesetzt. Opfer und Angehörige haben eigenen Angaben zufolge jedoch wenig Hoffnung, den Prozess zu gewinnen. Schon vor Jahren hatten einige von ihnen erfolglos Zivilklagen gegen die Meyer Werft und das Bureau Veritas angestrengt. Die damalige schwedisch-estnische Reederei EstLine hatte nach dem Untergang 130 Millionen Euro Entschädigung gezahlt. Die Schuldfrage wurde aber nach Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen nie beantwortet.

Animation: So sank die "Estonia"

Behörden verhindern genaue Untersuchung des Wracks

Der Untergang der "Estonia" gilt als größte Schiffskatastrophe der Nachkriegszeit. Die Fähre war in der Nacht zum 28. September 1994 auf der Fahrt von Tallinn nach Stockholm bei stürmischer See innerhalb einer halben Stunde gesunken. Von den 989 Menschen an Bord überlebten lediglich 137. Das Wrack der "Estonia" liegt seither in 85 Metern Tiefe rund hundert Kilometer vor der finnischen Küste. Die skandinavischen Behörden verweigerten eine Bergung der Fähre, die eine genauere Untersuchung ermöglicht hätte. Auch Tauchgänge an der Unglücksstelle sind wegen des "Grabfriedens" verboten. Zahlreiche Tote wurden nie geborgen.

Hintergrund

Der Untergang der "Estonia"

Die Ostseefähre "Estonia" sinkt am 28. September 1994 bei Sturm vor der südwestlichen Küste Finnlands - mit fast 1.000 Menschen an Bord. Nur 137 überleben. Zur Unglücksursache gibt es bis heute viele Spekulationen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.04.2019 | 13:00 Uhr

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