Stand: 23.01.2017 14:45 Uhr

Entscheidung über Friesenbrücke wieder vertagt

Bild vergrößern
Die Friesenbrücke wurde im Dezember 2015 von einem Frachter zerstört. (Archivbild)

Die Zukunft der zerstörten Friesenbrücke in Weener (Landkreis Leer) bleibt weiter ungewiss: Bei einem Spitzentreffen in Hannover haben sich die Deutsche Bahn und das Land Niedersachsen noch nicht auf einen Neu- oder Wiederaufbau einigen können. Während die Bahn die von einem Frachtschiff zerstörte Brücke wiederaufbauen möchte, präferiert Niedersachsen einen Neubau in besserer Ausführung. Das teilten Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) und der Norddeutschland-Chef der Bahn, Ulrich Bischoping, am Montag nach dem Gespräch mit. Die endgültige Entscheidung soll bei einem weiteren Treffen am 20. März fallen. Die Friesenbrücke war im Dezember 2015 von einem Frachtschiff gerammt und dabei zerstört worden.

Neue Brücke hätte Vorteile bei Überführungen

Die Bahn kündigte an, einen 1:1-Wiederaufbau der beschädigten Brücke weiter voranzutreiben. Ein zeitlicher Verzug könne damit definitiv ausgeschlossen werden, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube. Gleichzeitig solle aber auch die Möglichkeit für eine Alternativlösung geprüft werden. Lies sprach sich für einen Neubau aus, weil die Brücke wegen der Schiffsüberführungen der Meyer Werft ansonsten auch künftig an bis zu 50 Tagen im Jahr für den Bahnverkehr gesperrt sei. Bei einer neuen dreh- oder klappbaren Brücke würde diese Einschränkung wegfallen.

Meyer Werft hofft auf Neubau

Knackpunkt sind vor allem die Kosten, da ein Neubau mit breiterer Durchfahrt rund 15 Millionen Euro teurer wäre als die Wiederherstellung der alten Brücke, die mit 30 Millionen Euro veranschlagt wird. Auch die Papenburger Meyer Werft wünscht sich eine neue Brücke, weil dadurch die Überführungen von Kreuzfahrtschiffen einfacher würden. Ein Neubau wäre wegen des Planfestellungsverfahrens und einer Umweltverträglichkeitsprüfung allerdings erst 2024 fertig, eine reparierte Brücke bereits 2021. Auch wer die Mehrkosten für einen Neubau tragen würde, ist noch offen. Denkbar seien private Unternehmen, aber auch die Niederlande oder die Region selbst, sagte Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU). Lies betonte, dass zudem mit den Umweltverbänden geklärt werden müsse, ob sie einen Neubau überhaupt mittragen würden. Sollte diese Fragen bis Ende März nicht beantwortet sein, werde es beim geplanten Aufbau der Friesenbrücke in der alten Form bleiben.

Zweckverband macht Druck

In der Region hofft man in erster Linie auf eine rasche Beseitigung der Schäden. Der Zweckverband grenzüberschreitende Ems-Dollart-Region sprach sich am Wochenende für einen zügigen Wiederaufbau aus. Es dürfe nicht zu unnötigen Verzögerungen kommen, denn beiderseits der Grenze sei man auf einen Neustart der Bahnverbindung von Groningen Richtung Niedersachsen und Bremen angewiesen, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes, Karel Groen, der dpa.

Bringt Treffen mehr Klarheit?

Beim Zweckverband befürchtet man, dass die Planungs- und Genehmigungsverfahren auf deutscher Seite zu viel Zeit in Anspruch nehmen. "Es ist ein deutsch-niederländisches Wir-Gefühl entstanden in der Region, es gibt lange Wegstrecken und uns ist an schnellen Verbindungen gelegen", sagte Groen. Auch die regionale Wirtschaft drängt auf eine schnelle Entscheidung. Ein Neubau würde ein langwieriges Planfeststellungsverfahren nach sich ziehen, warnte die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg. Deren Vertreter sind aufgeschlossen gegenüber eigenen Konzepten der Papenburger Meyer Werft. Von einem kleineren Neubau könne auch die Bahn profitieren. Dies dürfe jedoch nicht wesentlich länger dauern als die fünf Jahre, die für eine Reparatur veranschlagt worden seien.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 23.01.2017 | 07:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:48

Meterhohe Schneeverwehungen im Harz

18.01.2018 16:00 Uhr
NDR//Aktuell
01:22

Straßenräumdienste im Dauereinsatz

18.01.2018 16:00 Uhr
NDR//Aktuell