Stand: 20.08.2018 15:32 Uhr

Enercon: Verhandlungen nein - Fördergelder gern

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Streit um Stellenabbau: Zu Krisengesprächen kommt niemand von Enercon, zur Übergabe von Förderbescheiden aber schon. (Themenbild)

Fingerspitzengefühl - damit scheint die Unternehmensspitze des Auricher Windkraftanlagen-Herstellers Enercon derzeit nicht besonders ausgestattet zu sein. Während das Unternehmen einen Dialog über den geplanten Stellenabbau ablehnt und auch ein Krisengespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der vergangenen Woche ausschlug, war es am Freitag dann durchaus bereit, sich mit CDU-Staatssekretär Enak Ferlemann in Aurich zu treffen. Dieser hatte nämlich einen Förderbescheid von rund 430.000 Euro dabei - für die Entwicklung einer Schnellladesäule für E-Fahrzeuge.

Politiker und Gewerkschaftler sind empört

Es sei schon länger klar gewesen, dass die Schnellladesäule aus Steuergeldern gefördert werde, so der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Dennoch habe er überlegt, ob es derzeit angebracht sei, dazu einen Termin zu machen. Er habe sich schließlich dafür entschieden, um mit dem Unternehmen im Gespräch zu bleiben, so Ferlemann. Bei der Übergabe habe er Enercon aufgefordert, zu einem Dialog zu kommen. Trotzdem stößt der Termin auf Kritik: Er sei immer noch wütend, sagte der Emder SPD-Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff NDR 1 Niedersachsen. Kaum gebe es fast eine halbe Million Euro, komme Enercon. Das sei ein Hohn für die Mitarbeiter, die um ihre Jobs bangten.

Enercon: Kann Wut der Mitarbeiter verstehen

Ferlemanns Appell zum Dialog blieb offenbar ohne Wirkung: Der Windkraftanlagen-Hersteller bleibt dabei, nicht selbst über den Stellenabbau zu verhandeln. Schriftlich teilte Enercon mit: Man könne die Wut der Mitarbeiter verstehen und habe sich versichern lassen, dass die Geschäftsführer der Zulieferer mit den Betriebsräten Sozialpläne ausarbeiten. Doch genau das wollten die Belegschaften noch nicht, so IG-Metall-Sprecher Heiko Messerschmidt. Es sei weiterhin das Ziel, direkt mit Enercon über Alternativen zum Jobabbau zu sprechen.

Mehr als 800 Stellen bundesweit

Hunderte Beschäftigte von Zulieferunternehmen, die exklusiv für Enercon produzieren, werden voraussichtlich ihre Arbeit verlieren. Mehr als 830 Stellen könnten bundesweit betroffen sein - allein im Aero-Ems-Werk in Haren (Landkreis Emsland) sollen 225 von 275 Stellen wegfallen. Doch der Konzern fühlt sich nicht ständig und will nicht direkt mit Betriebsräten und Gewerkschaften verhandeln.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.08.2018 | 12:00 Uhr

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