Stand: 29.10.2013 21:17 Uhr

Emder Sinterklaas in der Stadt umstritten

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Sinterklaas mit zwei seiner vier "Zwarten Pieten" auf Stippvisite in Emden. Der alte Brauch ist jetzt ins Visier der UN geraten. (Archiv)

Ein Streit zwischen den Vereinten Nationen (UN) und den Niederlanden schlägt Wellen, die bis ins beschauliche Emden reichen. Es geht um den Sinterklaas. Das ist - von Amsterdam über Den Haag bis nach Groningen - die landläufige Bezeichnung für den Nikolaus. Eben dieser Sinterklaas begibt sich traditionell Anfang Dezember im Rahmen eines Festes auf Tour, um Kinder zu beschenken - unter anderem besucht er auch den Emder Nachwuchs. Immer an seiner Seite: vier "Zwarte Pieten" (Schwarze Peter) als Helfer des Rauschebarts. Und sie sind der Stein des Anstoßes.

"Dieses Fest muss aufhören"

Denn, so schallt es von New York bis nach Emden, dieser Brauch sei eine Rückkehr zur Sklaverei. "Dieses Fest muss aufhören", fordert Verene Shepherd, Vorsitzende der Rassismus-Arbeitsgruppe der UN. Viele schwarze Niederländer aus den früheren Kolonien beschweren sich über die "Zwarten Pieten", die in ihren Augen Schwarze als lustige, aber dumme Knechte diffamieren. Trotzdem: In Den Haag ist heute eine Großdemonstration gegen das Verbot angesetzt. Dazu haben bereits Millionen von Menschen eine sogenannte "Pietition" im sozialen Netzwerk Facebook unterzeichnet, die sich für den Erhalt des Brauches ausspricht.

Schwarz nur durch den Ruß im Schornstein?

Auch in Emden sieht man den Vorstoß der UN kritisch. Claas Brons vom Honorarkonsul der Niederlande für Ostfriesland, das Emsland, die Grafschaft und Südoldenburg ist für das Fest auf deutscher Seite mitverantwortlich. Er verwehrt sich gegen den Vorwurf des Rassismus: "Traditionell gehören die 'Zwarten Pieten' dazu und solange in den Niederlanden diese Tradition so überwältigend gewollt und gelebt wird, möchten wir sie auch hier so leben. Meines Erachtens ist es völlig unangemessen, Zwarte Pieten mit Rassismus gleichzusetzen. Eine solche Gleichsetzung ist zurückzuweisen. Ich kenne es so, dass die 'Zwarten Pieten' dadurch schwarz werden, weil sie auch durch die Schornsteine zu den Kindern in den Häusern gelangen - und dagegen wäre ja wohl nichts auszusetzen", sagte er gegenüber NDR.de.

"Die Leute verbinden es mit einem schwarzen Menschen"

Nicht ganz so überzeugt, zeigt sich Abdoul Ouedraogo. Er ist Integrationsbeauftragter in Emden und selbst dunkelhäutig: "Es ist eine Tradition, die sehr gut ankommt, aber einem Urteil der UN würde ich nicht widersprechen. Vielleicht muss man sich über einiges noch einmal Gedanken machen." Er selbst fände es ebenfalls befremdlich, dass gerade zwei Farbige wie Diener einem Weißen helfen müssen: "Die Leute denken dabei nicht daran, dass die Begleiter durch einen Schornstein gefallen sind, sie verbinden es mit einem schwarzen Menschen", so Ouedraogo.

In Emden kommt der Sinterklaas immer am Sonnabend vor dem Nikolausfest mit einem Hafenboot in die Stadt. Anschließend reitet er mit einem Schimmel durch die Straßen, um die Kinder zu beschenken. In diesem Jahr fällt das Fest auf den 30. November. Laut Brons soll es wie geplant stattfinden - genau wie in den vergangenen Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.10.2013 | 10:00 Uhr

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