Stand: 19.01.2020 08:00 Uhr

Eiswettfest in Bremen: Erstmals Frauen dabei

Festlich bekleidete Gäste sitzen im Congress Centrum während des Eiswettfests an runden Tischen. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Unter die rund 770 männlichen Gäste des Eiswettfests mischten sich in diesem Jahr erstmals ein paar Frauen. (Archivbild)

Zum ersten Mal in der 190-jährigen Geschichte haben am Bremer Eiswettfest am Sonnabend auch Frauen teilgenommen. "Wir haben 33 Frauen eingeladen. Davon haben 30 mit Freude zugesagt", sagte der Präsident der Eiswette, Patrick Wendisch. Neben ihnen saßen rund 770 Männer am Tisch. "Die Rolle der Frauen in der Gesellschaft ist eine ganz andere als früher, deshalb ist es heute richtig, dass sie dabei sind", so Wendisch. Die Gesellschaft sei nicht gegründet worden, um Frauen auszuschließen. Anders als üblich waren in diesem Jahr dagegen keine Mitglieder des Bremer Senats geladen.

Politischer Druck auf Eiswettgesellschaft

Hintergrund ist das Eiswettfest im vergangenen Jahr. Bremens damaliger Regierungschef Carsten Sieling (SPD) hatte seine Teilnahme an der exklusiven Feier wegen einer Trauerfeier abgesagt. Doch seine Vertreterin, die damalige Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne), durfte nicht an seiner Stelle zum Eiswettfest. Sieling forderte daraufhin die Eiswettgesellschaft auf, ihre Regularien zu überdenken. Zudem forderte der Bremer Landtag per Beschluss männliche Vertreter des Senats, der Bürgerschaft, der Verwaltung und von Gesellschaften auf, nicht mehr am Eiswettfest teilzunehmen bis Frauen nicht länger davon ausgeschlossen würden. Dieses Jahr hat die Eiswettgemeinschaft daraufhin zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine Senatsmitglieder zu dem Fest eingeladen.

Frauenquote liegt bei vier Prozent

Doch der politische Druck zeigte Wirkung und die Eiswette wurde für Frauen geöffnet. Für die aktuelle Quote von vier Prozent hat die Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm allerdings kein Verständnis. In ihren Augen gibt es nichts zu begrüßen oder zu beschönigen. "Die Herren sind von vorgestern und viel zu spät dran." Das Eiswettfest mit 800 geladenen Gästen und einiger Prominenz aus Bundespolitik, Wirtschaft und Gesellschaft sei zwar formal eine private Feier, so Wilhelm. De facto sei es aber ein gesellschaftliches Großereignis, noch dazu für einen guten Zweck. Am Abend werden Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger gesammelt - im vergangenen Jahr knapp 500.000 Euro.

FDP-Chef Christian Lindner ist Ehrengastredner

Das Eiswettfest folgt traditionell auf die Eiswettprobe, bei der jedes Jahr am 6. Januar geprüft wird, ob die Weser zugefroren ist. Beim Eiswettfest treffen sich in Frack und Smoking gekleidete Vertreter von Wirtschaft und Gesellschaft sowie in diesem Jahr auch Frauen in schwarzer Abendgarderobe. Gemeinsam essen, trinken und singen sie nach einem traditionellen Ablauf. Als Ehrengastredner ist in diesem Jahr der FDP-Chef Christian Lindner dabei.

Beim Schaffermahl sind Frauen seit 2015 zugelassen

Bei dem anderen großen Festessen in Bremen, dem Schaffermahl, sind Frauen sind 2015 regulär als Gäste zugelassen. Bei der Veranstaltung im Rathaus handelt es sich um eine der traditionsreichsten in ganz Deutschland. Sie dient dem Austausch zwischen Handel, Schifffahrt, Industrie und Politik. Auch dort werden Spenden gesammelt - für die Bremer Stiftung Haus Seefahrt.

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Festlich bekleidete Gäste sitzen im Congress Centrum während des Eiswettfests des Vereins Eiswette von 1829 an runden Tischen. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Bremer Eiswette - nach 190 Jahren auch für Frauen

Die Bremer Eiswette öffnet sich nun auch für Frauen. "Für eine richtige Entscheidung ist es nie zu spät", so der zuletzt kritisierte Vereinspräsident Wendisch. Mehr auf butenunbinnen.de. (23.10.2019) extern

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.01.2020 | 07:00 Uhr

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