Der wegen Mordes an 100 Patienten angeklagte Niels Högel sitzt am Prozesstag im Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Doku über Niels Högel: JVA Oldenburg bei Interview umgangen

Stand: 23.09.2021 14:32 Uhr

Für eine RTL-Fernsehdoku hat eine Produktionsfirma den inhaftierten Patientenmörder Niels Högel am Telefon interviewt. Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg hatte Anfragen der Firma zuvor abgelehnt.

Die Anstaltsleitung habe wiederholte Anfragen für ein TV-Interview der Produktionsfirma "nachdrücklich abgelehnt", sagte die stellvertretende JVA-Leiterin Anna Abraham der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Der wegen 85-fachen Mordes verurteilte Högel und die Produktionsfirma hätten daraufhin "offensichtlich die Telefonmöglichkeit des Gefangenen genutzt, um gleichwohl ein Audio-Interview zu realisieren", sagte Abraham weiter. Die JVA fühle sich dadurch von filmpool Entertainment "bewusst getäuscht und hintergangen".

Gefängnisleitung: TV-Interviews müssen genehmigt werden

Nach "ersten Hinweisen für diesen Missbrauch" in der vergangenen Woche, habe die JVA "die Telefonmöglichkeiten des Gefangenen unverzüglich eingeschränkt". Abraham betonte gegenüber der Zeitung, dass TV-Interviews mit Gefangenen und Filmaufnahmen in einer JVA von dieser selbst und im zweiten Schritt vom Niedersächsischen Justizministerium genehmigt werden müssen. Abraham bedauere die für Opfer und Hinterbliebene als unerträglich empfundene Veröffentlichung. Die Aufmerksamkeit verstärke "den Geltungstrieb und die Selbstinszenierung des Gefangenen" Högel und sei mit seiner Behandlung nicht vereinbar.

Opfer-Vertreter kritisieren Högel-Interview für Dokumentation

Der RTL-Streamingdienst TV-Now hatte die Dokumentation über den Fall Högel am Montag veröffentlicht. Neben weiteren Beteiligten kommt darin der verurteilte Mörder selbst zu Wort. Opfer-Vertreter und Experten zeigten sich wegen des Interviews empört. Das Landgericht Oldenburg hatte den früheren Krankenpfleger vor zwei Jahren wegen 85 Morden an Patienten in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt. Demnach hatte Högel bei Patientinnen und Patienten mit Medikamenten Herzstillstände provoziert, um sie anschließend reanimieren zu können. Er habe so als Lebensretter glänzen wollen.

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