Triage: Wie wird über die Intensivbettenvergabe entschieden?

Stand: 01.11.2020 16:20 Uhr

Mit der steigenden Zahl von Corona-Patienten steigt auch der Anteil der schweren Krankheitsverläufe. Wer einen Platz auf der Intensivstation bekommt, wird im Zweifel nach dem Triage-Prinzip entschieden.

Der Virologe Christian Drosten erklärte bei einer Veranstaltung in Meppen im Emsland, dass es deshalb in deutschen Kliniken zu ähnlichen Zuständen wie im Frühjahr beispielsweise in Norditalien kommen könnte. Das heißt, dass es mehr Menschen geben könnte, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, es jedoch nicht genügend freie Betten gebe. "Dann kämen wir in eine Situationen der Triage, in der ausgewählt werden müsste, wer behandelt wird", so Drosten.

VIDEO: Corona Kompakt: Computer simuliert Krankenhausauslastung (2 Min)

Drosten: "Dann drohen Entscheidungen wie in Norditalien"

Drosten schilderte das Prinzip anhand eines Beispiels: Wenn man auf der Intensivstation einen älteren, an Covid-19 erkrankten Patienten habe, der beatmet werden müsse und der deshalb nur eine Überlebenschance von 30 bis 50 Prozent habe und dann komme ein 35-jähriger Corona-Patient mit einem schweren Verlauf, der kleine Kinder hat, müssten Ärzte eine Entscheidung treffen, so Drosten. Das gelte vor allem, weil der 35-Jährige aufgrund seines Verlaufs innerhalb kurzer Zeit sterben würde, wenn er nicht beatmet wird. Man müsse in einem solchen Fall einen älteren Patienten von der Beatmungsmaschine abnehmen, erklärte Drosten. Um genau solche Situationen zu vermeiden, habe die Bundesregierung die jetzigen Maßnahmen beschlossen, sagte Drosten.

Saarlands Ministerpräsident warnt vor Krankenhaus-Kollaps

Am Wochenende hatte unter anderem der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) vor einem drohenden Kollaps der Kliniken angesichts der rapide steigenden Zahlen der Corona-Erkrankten gewarnt.

Weitere Informationen
Eine Krankenpflegerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation. © picture alliance/dpa Foto: Marcel Kusch

Corona: Reichen die Kapazitäten auf den Intensivstationen?

In Niedersachsen stehen insgesamt 2.482 Intensivbetten zur Verfügung. 119 Plätze sind mit Covid-19-Patienten belegt. (01.11.2020) mehr

Ärzte begutachten ein Röntgenbild einer Lunge. © Colourbox

Corona: Forscher warnen vor stark steigenden Todeszahlen

Wenn die Fallzahlen nicht schnell sinken, seien im November 800 Tote pro Woche möglich, so die Göttinger Experten. (31.10.2020) mehr

In Bewegungsunschärfe aufgenomme Szene in der Menschen eine Straße überqueren. © picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Corona in Niedersachsen: 1.008 Neuinfektionen, 15 Todesfälle

Der starke Anstieg der Fallzahlen setzt sich damit fort. Das Land folgt mit dieser Entwicklung dem Bundestrend. mehr

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) mit einer Mund-Nasen-Bedeckung. © picture alliance/Moritz Frankenberg/dpa

Corona in Niedersachsen: Weil sieht Etappenziel erreicht

Im ganzen Land gibt es keinen Landkreis und keine kreisfreie Stadt mehr mit einer Sieben-Tages-Inzidenz über 200. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.11.2020 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Vor der Fassmer Werft an der Weser bei Berne ist das Segelschulschiff "Gorch Fock" zu sehen. © dpa - Bildfunk Foto: Jörg Sarbach

lllegales Holz für "Gorch Fock?" Gerichte lehnen Baustopp ab

Umweltschützer wollten wegen der Verwendung von Teakholz aus Myanmar einen sofortigen Baustopp erwirken. mehr

Ein völlig zerstörter Pkw steht nach einem Unfall an der Leitplanke der A27. © Polizei Cuxhaven

A27: Reifenplatzer verursacht Schaden von 200.000 Euro

Ein 19-Jähriger ist in der Nacht zu Sonnabend auf der Autobahn 27 mit einem geliehenen Luxussportwagen verunglückt. mehr

Das Bild zeigt viele gefangene Stinte. © picture-alliance Foto: Philipp Schulze

Cuxhaven: Elbfischer haben die Stint-Saison eröffnet

Der Stint hält sich derzeit in der Mündung der Elbe auf. Wegen der Corona-Krise befürchten die Fischer Absatzprobleme. mehr

Ein Carport und ein Auto stehen in Oldenburg in Flammen. © Nord-West-Media TV

Oldenburg: Feuer zerstört Pkw und Carport

Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindern. Die Brandursache ist noch unklar. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen