Stand: 08.07.2020 13:26 Uhr

Cloppenburg: Kreistag will Werkverträge erhalten

Schweinehälften werden in einem industriellen Fleischbetrieb verarbeitet. © NDR
In der Corona-Krise ist die Fleischproduktion erneut massiv in die Kritik geraten. (Archivbild)

Mit einer Resolution hat sich der Cloppenburger Kreistag gegen eine Abschaffung von Werkverträgen ausgesprochen. Die Fraktion der CDU konnte sich damit gegen die Anträge von der SPD und den Grünen durchsetzen. Die CDU-Fraktion fordert, dass stattdessen die Gleichberechtigung der Werkvertrags-Arbeiter und faire Arbeits- und Wohnverhältnisse stärker gesichert werden müsse. Ist dies nicht möglich, dürften in der betroffenen Branche keine Werkverträge vergeben werden, heißt es weiter. Nach den Coronavorfällen bei Schlachthöfen wie Tönnies und Geestland berät die Bundesregierung über die vollständige Abschaffung von Werkverträgen.

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"Historische Chance" für Abschaffung von Werkverträgen

Laut Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) bietet die Corona-Krise eine "historische Chance", Werkverträge in der Branche abzuschaffen. Zu viele Verantwortliche hätten bei dem Thema zu lange weggeschaut, sagte die Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Inzwischen meldeten sich viele Unternehmer, die auf Werkverträge verzichten wollten, so Otte-Kinast. Allein auf diese Freiwilligkeit wolle sie sich aber nicht verlassen.

Systemwechsel auf allen Seiten

Die Ministerin forderte außerdem einen Systemwechsel und ein Umdenken - bei Produzenten und Verbrauchern. Wenn bei Aufzucht, Transport, Schlachtung und Fleischverarbeitung ein Glied in der Kette ausfällt, dann breche alles zusammen, kritisierte Otte-Kinast. Stattdessen solle es nachhaltige Nutztierhaltung und regionale Wertschöpfungsketten geben. In jeden Landkreis gehöre ein Schlachthof. Wer eine andere Fleischproduktion wolle, müsse sich auch von Dumpingpreisen und hohem Fleischkonsum verabschieden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.07.2020 | 13:30 Uhr

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