Stand: 12.07.2017 19:05 Uhr

Carmen Hanken: "Tamme ist immer noch da"

von Mareike Lange

Auf dem Hanken Hof im ostfriesischen Filsum sieht es aus wie immer. Nichts hat sich verändert, seit Tamme nicht mehr lebt, wie Witwe Carmen sagt. Alles trägt weiterhin seine Handschrift. Von der Hofanlage über den Souvenirshop bis hin zur Einrichtung des Wohnhauses: Tamme Hanken hat seine Spuren hinterlassen. Er sei immer der Künstler, der Kreative gewesen, sagt Carmen. Sie dagegen sei eher die Macherin. Während Tamme gerne im Mittelpunkt stand, habe sie eher im Hintergrund die Fäden gezogen. Seit Tammes Tod im Oktober 2016 ist das jetzt anders: Nun steht Carmen Hanken an der Spitze und ist unternehmerisch verantwortlich für den Hof.

Carmen ist nicht alleine

Immer wenn es möglich ist, trifft sich das kleine Team um Carmen Hanken zum gemeinsamen Frühstück. "So gegen 10 Uhr sitzen wir in der Diele am rustikalen Holztisch zusammen", sagt die 56-Jährige. "Traditionell bei Ostfriesentee und Käsebroten. Ein Ritual, was wir seit Jahren leben", sagt sie. "Auch wenn wir nur fünf Leute sind, rennen wir den ganzen Tag aneinander vorbei. Jeder hat seine Aufgaben und hier am Tisch haben wir ein kurzes Miteinander."

Tammes Ehefrau bleibt stark

Vor neun Monaten ist Tamme Hanken plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben - ein Schock für Fans und Freunde des XXL-Ostfriesen. Ganz besonders aber für seine Carmen. "Mir geht es so weit gut. Ich lebe in Erinnerungen an einen tollen Menschen. Wir hatten vierzehneinhalb tolle gemeinsame Jahre."

Die zierliche Frau mit den weißblonden Haaren wirkt stark und aufgeräumt. "Es gibt Menschen, die mich angefeindet haben. Weil ich so bin, wie ich bin. Ich stehe fest mit beiden Beinen im Leben. Wie ich persönlich trauere, das geht doch niemanden etwas an. Wenn ich jemand wäre, der sich verkriecht, dann hätte ich den Hof schon längst verloren", sagt sie.

"Das maße ich mir nicht an"

Tamme Hanken war nicht nur regional, sondern weltweit bekannt - als Knochenbrecher und Pferdeflüsterer. "Er war Tierheiler und konnte Nerven fühlen", sagt Carmen. Dieses Erbe kann und will sie nicht weiterführen. "Das maße ich mir nicht an." Zwar will sie die Behandlungsmethoden und die anderen Reha-Anwendungen weiter anbieten, setzt aber auch ihren eigenen Schwerpunkt. "Mein Thema ist das Balance-Reit-System. Ein etwas anderes Training. Mehr Feinarbeit und mehr Kommunikation mit dem Tier", sagt Hanken.

Private Einblicke in neuem Buch

Carmen Hanken ist bereit für ihre neue Aufgabe. Sie will den Hanken Hof und damit Tammes Erbe weiterführen. Ihre gemeinsame Zeit mit dem Knochenbrecher hat sie jetzt in einem Buch veröffentlicht. "Es ist ein sehr persönlicher Einblick", sagt die 56-Jährige. Darin gehe es um die außergewöhnliche Gabe des Knochenbrechers, aber auch um Tammes sensible, sanfte Seite. Bald wird Carmen auf Lesereise gehen. Eine weitere Gemeinsamkeit mit ihrem Tamme. Der war schließlich auch viel unterwegs. Es bleibt eben alles ein wenig beim Alten.

Weitere Informationen
"Knochenbrecher" Tamme Hanken in der NDR Sendung "Der XXL-Ostfriese" 2011. © NDR/Miramedia GmbH Foto: Erik Hartung

Tamme Hanken: Der "Knochenbrecher" aus Filsum

Sie waren so groß wie Bratpfannen: Tamme Hanken hatte heilende Hände. Der 2016 verstorbene Ostfriese war Pferde-Chiropraktiker - und ein norddeutsches Original. (10.10.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.07.2017 | 17:00 Uhr

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