Stand: 08.06.2019 12:56 Uhr

CDU fordert Rücktritt von Klinik-Chef Tenzer

Im Fall der Mordserie des verurteilten ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel hat die Oldenburger CDU den Rücktritt des Klinik-Chefs Dirk Tenzer gefordert. Er sei für das Klinikum nicht länger tragbar, weil er bewusst Informationen zurückgehalten haben soll, sagte CDU-Chef Christoph Baak der "Nordwest-Zeitung".

Wurden Zeugen beeinflusst?

Anlass sind offenbar Äußerungen des Vorsitzenden Richters beim Prozess gegen Högel vor dem Landgericht Oldenburg. Sebastian Bührmann hatte in seiner Urteilsverkündung am Donnerstag den Aufklärungswillen des Klinik-Chefs in Zweifel gezogen. So seien wichtige Unterlagen wie Protokolle und Strichlisten mit Todesfällen erst spät an die Ermittler übergeben worden. Bührmann sagte auch, dass offenbar Zeugenbeistände, die von der Klinik bezahlt worden seien, Mitarbeiter in ihren Aussagen zu beeinflussen versuchten. Bührmann machte dies an einer merkwürdigen Uniformität im Aussageverhalten der Oldenburger Zeugen fest. Gegen acht Zeugen wird deshalb wegen Meineids ermittelt.

OB kündigt Überprüfungen an

Die Klinikleitung wies die Anschuldigungen zurück. Es sei Teil der Fürsorge als Arbeitgeber gewesen, die Mitarbeiter anwaltlich zu unterstützen. "Das Klinikum Oldenburg unterstützt seit September 2014 vorbehaltlos die Aufklärung der Vorfälle in unserem Haus rund um Niels Högel", hieß es in einer Mitteilung von Tenzer als Reaktion auf die Kritik des Richters Bührmann. Schwere Kritik an Tenzer war auch vom Sprecher der Angehörigen, Christian Marbach, gekommen. Nach den Äußerungen Bührmanns gebe es nur noch eine Option: Die Klinik müsse Tenzer "aus seiner Position entfernen". Und auch Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann reagierte: Er will überprüfen lassen, ob von Seiten der Stadt und des Klinikums genug aufgeklärt wurde.

Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel ist wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden. In den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst hatte er zwischen 2000 und 2005 Patienten mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.06.2019 | 18:00 Uhr

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