Stand: 10.04.2018 14:17 Uhr

Boden unter Etzel sackt stärker ab als vermutet

Die Gas- und Ölkavernen bei Etzel im Landkreis Wittmund sind seit Jahren ein Streitthema. 75 dieser unterirdischen Lagerungskammern gibt es - manche so hoch wie der Eiffelturm. Immer wieder äußern Bürger die Befürchtung, dass sich das Erdreich über den riesigen Hohlräumen absenkt und ihre Häuser beschädigt werden. Dass diese Ängste durchaus begründet sind, geht aus einem Schreiben des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums an die Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten/Etzel/Marx vor, welches dem NDR vorliegt. Darin heißt es, dass sich der Boden in den nächsten Jahren stärker absenken könnte als erwartet. Konkret ist die Rede von bis zu sechs Zentimetern pro Jahr.

Eine Erdgas-Anlage.

Boden über Kavernen in Etzel sackt ab

Hallo Niedersachsen -

Immer wieder warnen besorgte Bürger vor absackendem Boden unter den Gaslagerstätten bei Etzel. Das wurde jetzt durch ein Schreiben des Landesbergamtes belegt.

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Einschätzungen widersprechen sich

Dass der Boden auf lange Sicht absacken wird, ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) prognostiziert, der Boden über dem Kavernengebiet werde sich in einem Zeitraum von 100 Jahren um mehr als 2,50 Meter absenken. Zuvor war lange von etwa zwei Metern ausgegangen worden. Die kavernenkritische Bürgerinitiative Lebensqualität Horsten/Etzel/Marx hatte daraufhin ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Das kam zu dem Ergebnis, dass sich der Bode gar um mehr als fünf Meter absenken würde. Das Schreiben des Wirtschaftsministeriums prognostiziert nun noch einmal mehr: Sechs Zentimeter pro Jahr werde der tiefste Punkt in 100 Jahren absacken - auf 100 Jahre hoch gerechnet wären das sechs Meter.

Nach Angaben des LBEG hat sich der Boden im Umfeld des VT 14 bereits um 40 Zentimeter abgesenkt, weitere Absenkungen von bis zu sechs Zentimeter pro Jahr werden erwartet. Niedersächsisches Wirtschaftsministerium

Bürgerinitiative: Keine Panikmache

Die Schätzungen betreffen das Gebiet um einen Verteiler (VT 14), welches Anfang dieses Jahres überschwemmt worden war. Für BI-Sprecher Andreas Rudolph sind die Zahlen ein eindeutiger Beleg: Lange hätte Kavernenbetreiber Storag Etzel die vorgelegten Gutachten der Bürgerinitiative als Panikmache abgetan, so Rudolph. Das Ministerium bezieht sich auf eine Einschätzung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen (LBEG) - der für unterirdische Öl- und Gaslagerstätten zuständigen Aufsichtsbehörde.

Downloads

Das Gutachten der Bürgerinitiative

Vor knapp zwei Jahren hat die Bürgerinitiative Horste-Etzel ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das kam zu dem Schluss: Der Boden wird sich bis zu fünf Meter senken. Download (2 MB)

Betreiber: Keine Schäden zu erwarten

Rudolph fürchtet, dass Häuser in Etzel, Horsten und Marx irgendwann absacken werden. Er fordert, dass Storag Etzel Gelder insolvenzsicher zurücklegt, um zu erwartende Schäden auszugleichen. Joachim Schweinsberg von Storag Etzel wiegelt ab: Es seine keine Schäden zu erwarten. Er beruft sich auf das BGR-Gutachten von vor zwei Jahren. Sollte es dennoch zu Schäden an Häusern kommen, so Schweinsberg, werde die Storag Etzel diese auch bezahlen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.04.2018 | 12:00 Uhr

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