Stand: 28.11.2019 14:52 Uhr

Bilanz: Fast 30 Prozent weniger Gewinn für Bauern

Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer bei einer Pressekonferenz. © dpa Bildfunk Foto: Christoph Gateau
Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje hat Verständnis für den Frust vieler Landwirte.

Seit Wochen protestieren Landwirte mit Trecker-Sternfahrten und grünen Kreuzen gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Viele sehen die Existenz landwirtschaftlicher Betriebe wegen geplanter schärferer Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz sowie weitere Düngebeschränkungen in Gefahr. Laut Landwirtschaftskammer (LWK) haben die Bauern bereits mit empfindlichen Einkommenseinbußen zu kämpfen. Im Wirtschaftsjahr 2018/2019 seien die Gewinne um fast 30 Prozent auf durchschnittlich rund 60.000 Euro gesunken, sagte LWK-Präsident Gerhard Schwetje auf der Kammerversammlung am Donnerstag in Oldenburg. Damit lägen die Gewinne unter dem Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre, so Schwetje. Im Zeitraum 2017/2018 hatten die Landwirte im Durchschnitt 65.800 Euro erwirtschaftet. Die LWK mahnte damals, dass der Gewinn der Landwirte im Schnitt bei mindestens 70.000 Euro liegen müsse, um wachsen zu können.

Milchpreis gesunken

Auch die Milchbetriebe hat es laut LWK hart getroffen. Der Milchpreis sei im Zeitraum vom 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 von 36,5 Cent je Kilogramm Milch auf 34 Cent gesunken, hieß es. Dass die Lage angespannt bleibt, deutete bereits eine im Oktober vorgestellte LWK-Bilanz zur diesjährigen Ernte an. Die Ergebnisse fielen regional sehr unterschiedlich aus. Das Landvolk hatte bereits im September mitgeteilt, dass viele niedersächsische Landwirte mit der Ernte unzufrieden seien.

Verständnis für Frust

Schwetje äußerte angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung Verständnis für die Reaktionen vieler Landwirte auf die Agrarpolitik. "Wer Sündenbock für alles ist und dabei gleichzeitig die Daumenschrauben immer fester gezogen bekommt, muss innerlich schon sehr gefestigt und stark sein, auch weiterhin seiner Berufung als Bäuerin und Bauer nachzugehen", sagte er.

Große regionale Unterschiede bei Ernte-Bilanz

Mitte Oktober hatte die LWK eine Bilanz zur diesjährigen Ernte veröffentlicht. Die Ergebnisse fielen regional sehr unterschiedlich aus. Viele Betriebe seien mit einem blauen Auge davongekommen, ebenso viele hätten aber katastrophale Ergebnisse erzielt, sagte Schwetje damals. Das Landvolk hatte bereits im September mitgeteilt, dass viele niedersächsische Landwirte mit der Ernte unzufrieden seien. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums zählt die Agrarbranche in Niedersachsen rund 130.000 Beschäftigte in rund 37.800 Betrieben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 28.11.2019 | 13:30 Uhr

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